Ulreich rückt ins bayern-feuercenter: der 37-jährige soll gegen leverkusen den liga-halbstarken die show klauen
Sven Ulreich, 37, ein Mann, der normalerweise im Schatten der Stars trainiert, steht plötzlich im hellsten Licht. Bayer Leverkusen am Samstag, 15:30 Uhr, BayArena – ein Spitzenspiel, das nicht mehr die Nummer eins oder zwei im Tor der Bayern heißt, sondern eben den Dauer-Dritten.
Warum ulreich nicht einmal zuckt
Manuel Neuer zieht einen Muskel, Jonas Urbig trifft ein Schlag auf die Schläfe – und schon reicht die Karriereleiter bis zum alten, verlässlichen Ulreich. Max Eberl spricht von „vollem Vertrauen“, Vincent Kompany nennt ihn eine „stabile Persönlichkeit“. Das sind keine Phrasen für die Presse, sondern die nüchterne Einschätzung eines Klubs, der weiß: Ulreich hat schon 140 Pflichtspiele für Bayern gemacht, davon 86 in der Bundesliga. Er braucht keine Einführung, nur eine Ansage.
Die Personalie ist eng mit der Verletzungsmisere verknüpft. Neuer fällt mindestens drei Wochen aus, Urbig hofft „nächste Woche vielleicht auf die Matte zurückzukehren“, wie Kompany sagt. Daneben fehlen Ito, Davies und Musiala – alles Kurzzeit-Ausfälle, aber genug, um die Rotationspläne zu zerreißen. Die gute Nachricht: Harry Kane hat die Woche voll mittrainiert, sein Knöchel gibt endlich Ruhe. „Wenn Harry grünes Licht gibt, spielt er“, so Kompany knapp. Die Torgefahr lebt – auch wenn hinten plötzlich ein Routinier ohne Nationalteam-Erfahrung im Kasten steht.

Leverkusen plant den ulreich-test
Xabi Alonso wird seine Schützen anweisen, den Keeper früh zu stören, ihn mit Returns und zweiten Bällen unter Druck zu setzen. Ulreichs letzte Bundesligapartie datiert vom 27. Mai 2023, damals 2:1 in Köln. Seitdem war er nur Cupsieger auf der Bank. Die Frage ist nicht, ob er parieren kann – das hat er oft genug bewiesen –, sondern ob er nach 279 Tagen ohne Spielbetrieb die Geschwindigkeit von Grimaldo, Wirtz und Boniface mitgeht.
Die Zahlen sprechen für ihn: In 86 Bundesliga-Einsätzen kassierte er 71 Gegentore, Schnitt 0,83 pro Spiel – besser als Neuer in derselben Zeitspanne. Aber Statistik schützt keinen vor einem verregneten Samstag in Leverkusen, wenn Hofmanns Flanke genau auf den zweiten Pfosten segelt.
Ulreich selbst will die Nummern nicht hören. „Ich bereite mich auf meine Art vor: Video, Platz, Kraft, Schlaf. Ich bin nicht hier, um Geschichte zu schreiben, sondern um Punkte zu bringen“, sagte er am Donnerstag nach dem Abschlusstraining. Kein Pathos, keine Tränen, nur ein Profi, der weiß, dass seine Karriere schon länger auf diesen Moment hinausläuft, als viele ahnen.
Die länderspielpause als zieldatum
Kompany blickt bereits nach der internationalen Pause. „Danach sollten alle wieder dabei sein“, sagt er. Das klingt wie ein Garantieversprechen, ist aber nur ein Wunsch. Muskeln und Gehirn ticken eigenwillig. Die medizinische Abteilung arbeitet mit Mikro-CT und individuellen Belastungsprofilen, trotzdem gibt es „kleine Rückschläge, die wir nicht verhindern können“, wie Kompany einräumt. Was bleibt, ist ein Kader, der gegen Leverkusen auf der einen Seite die Tabellenführung verteidigen will und auf der anderen die Frage beantworten muss, ob eine Notlösung im Tor reicht, um die Meisterstraße freizuhalten.
Für Ulreich ist die Antwort klar: „Ich spiele, wir gewinnen, ich verschwinde wieder in die Kabine.“ Keine Show, keine Selfies mit dem Man-of-the-Match-Pokal. Nur drei Punkte. Und wenn er dafür auch den einen oder anderen Schlag kassiert, wird er aufstehen, abklatschen, weitermachen. Genau das erwartet Bayern in einer Phase, in der Stars fehlen und Charakter zählt. Die Saison ist noch lang, aber Samstag könnte Ulreichs kurze im Rampenlicht entscheiden, ob der Vorsprung auf Leverkusen bei drei Punkten bleibt – oder ob die Verfolger die Lücke auf ein Tor erblicken.
