Jakov fak zögert: nach 18 jahren droht das endgültige aus
18 Winter, 150 Weltcup-Podeste, zwei Olympia-Bronzen – und jetzt dies: Jakov Fak (38) spielt im finnischen Kontiolahti mit dem Gedanken, die Ski an den Nagel zu hängen. Die Entscheidung fällt binnen Wochen.
Ein schuss, ein treffer, ein letztes aufbäumen
Die 20 Treffer vom Einzelrennen am Samstag waren keine Statistik, sie waren ein Statement. Rang sieben – sein bestes Saisonergebnis – lässt den Slowenen aufatmen. „Ich wollte beweisen, dass die Kugel noch im Lauf sitzt“, sagt er mit Blick auf das Zielband. Noch nie war ein siebter Platz so wertvoll.
Die Knieverletzung, die ihn zwischen Dezember und Januar lahmlegte, wirft ihm bis heute Sand ins Getriebe. „Ich bin kein Freund von Abstiegsfahrten“, sagt Fak. „Wenn ich weitermache, dann nur mit der Perspektive, wieder vorn mitzulaufen.“ Die Verletzung habe ihm die nötige Demut gelehrt – und die nackte Zahlen der Statistik: vor Kontiolahti kein Top-30-Platz, danach 14. und 7. – Trend steil nach oben.
Die Fans spüren die Brisanz. In Otepää buhten sie, als seine Startnummer durchs Megafon schallte – nicht aus Spott, sondern aus Angst, ihn zum letzten Mal zu sehen. Fak winkte, doch im Interview wurde seine Stimme leiser. „Ich möchte keine halbe Karriere kriechen. Das wäre unfair den Jungs gegenüber, die sich jeden Tag neu aufreißen.“

Was nach fak kommt – und was bleibt
Verbandschef Uroš Velepec rechnet offen: „Wir verlieren mit Jakov nicht nur Läuferkönner, sondern einen Lehrmeister.“ Die slowenische Herren-Equipe ist jung, aber dünn. Mit dem Abgang des Routiniers brächte sich ein Erfahrungspol von 215 Weltcup-Starts in die Bahn. „Er zeigt den Jungen, wie man sich in Windböen zentriert, wie man Druck in Sekundenbruchteilen wegatmet“, sagt Velepec.
Die Zeit läuft. Nach Oslo ist Schluss mit Weltcup, nicht unbedingt mit Fak. „Ich werde mit meiner Frau und meinem Team einen Spiegel aufstellen“, kündigt er an. „Wenn der Spiegel die Wahrheit zeigt, dass ich vor der 30-Stunden-Woche ein Kreuz vor dem Knie mache, ist Schluss.“ Sollte er sich gegen ein Weitermachen entscheiden, winkt ein Engagement als Schießtrainer – das Angebot liegt laut Verband bereits unterschriftsreif auf dem Tisch.
Vier Rennen sind noch. Vier Chancen, die rote Bahn zu verlassen, ohne in Schuhen auszugehen, die nach Resignation riechen. Wer Fak einmal in der Loipe gesehen hat, wie er die Arme nach dem Ziel weit auseinanderreißt, als wolle er die Welt umarmen, der weiß: Wenn er geht, verliert der Sport nicht nur einen Athleten, sondern eine Erzählung, die seit 2006 andauert. Die endgültige Antwort folgt nach dem Finale in Oslo – und sie wird ohne Rückzieher auskommen.
