Strelow zurück, weidel raus: dsv schickt neuen angriff auf otepää

Justus Strelow packt wieder den Gewehrgurt an. Der 26-Jährige, Olympia-Bronze von Milano-Cortina, reist nach Estland, wo der Weltcup am Donnerstag mit dem Männersprint in die Schneekanonen startet. Ein gebrochener Mittelfinger hatte ihn in Kontiolahti außer Gefecht gesetzt – nun ist der Sprintspezialist zurück im Kader, den der Deutsche Skiverband am Dienstagmorgen freigab.

Der finger ist heil, der husten bleibt

Während sich die Herren personell aufrüsten, fehlt bei den Damen weiterhin Anna Weidel. Die Frankenbergerin laboriert an einem hartnäckigen Infekt, wird aber laut Felix Bitterling „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ in Oslo wieder dabei sein. Für sie springt Julia Kink in die Bahn, frischgebackene IBU-Cup-Siegerin aus Arber. Ein Auftritt, der zeigt: Hinter dem DSV-Zirkus schlummert eine zweite Garde, die mit jedem Rennen Selbstvertrauen tankt.

Die Nennliste liest sich sonst wie ein Who-is-Who des deutschen Biathlons 2026: Philipp Nawrath, der in Finnland zwei Top-Ten-Kontakte knapp verpasste, wird gemeinsam mit Philipp Horn, David Zobel, Lucas Fratzscher und Leonhard Pfund die blau-weiße Fahne schwingen. Bei den Frauen neben Kink mit von der Partie: Vanessa Voigt, Selina Grotian, Janina Hettich-Walz, Marlene Fichtner und Julia Tannheimer. Fichtner schoss in Kontiolahti zweimal in Karrierebestzeiten – Rang vier und fünf – und katapultierte sich damit in die enge Spitzengruppe, die in Otepää die Podestplätze unter sich aufteilen will.

Enge währung nationencup

Enge währung nationencup

Doch hinter den Kulissen geht es um mehr als Ehrenrunden. Mit nur zwei Weltcup-Stations verbleibenden Events wird die Luft für Rang fünf in der Damenwertung dünn. Finnland und Tschechien lauern nur wenige Punkte dahinter. „Wir müssen in Otepää liefern, sonst stehen wir vor dem Finale in Oslo mit leeren Magazinen da“, sagt Bitterling. Sechs Startplätze für die Saison 2026/27 stehen auf dem Spiel – ein Silberpfeil, der sich in der heutigen Budgetlage nicht einfach nachordern lässt.

Der Zeitplan ist klar: Donnerstag Männersprint (14.15 Uhr), Freitag Damensprint (14.15 Uhr), Samstag Verfolgung der Herren und der Damen, Sonntag Doppel-Mixed. Die Strecke in Otepää gilt als schnell, aber tückisch: flache Kurven, harte Brücken, Windfahnen, die im Estland-Winter kreuz und quer stehen. Wer hier die Lücke findet, kann sich in Oslo schon mal warm laufen.

Strelow jedenfalls brennt darauf, wieder in die Loipe zu steigen. „Der Finger ist stabil, der Kopf frei“, sagte er gestern per Video aus der Vorbereitungswelt in Ruhpolding. Für ihn beginnt in Otepää die kleine Revanche nach der verpassten Heim-Weltmeisterschaft. Für Kink beginnt ein Traum, den sie sich in der Nachwuchsstunde Rotachtal jahrelang ausgemalt hat. Und für den DSV beginnt die Endphase einer Saison, die am Ende zählen lässt – nicht in Titeln, sondern in Punkten, die über Zukunft und Finanzierung entscheiden.

Die Kugel rollt wieder. Und mit ihr rollt die Hoffnung, dass Deutschlands Biathleten in Estland nicht nur Schnee, sondern auch die Weichen für die kommende Spielzeit stellen.