Eisschwimmerin tina deeken: von der bahn ins eiskalte nass – und zur weltrekordhalterin!
Tina Deeken, die Frau, die behauptet, leicht zu frieren, hat die Welt des Eisschwimmens im Sturm erobert. Mit nunmehr 30 internationalen Medaillen und zahlreichen Weltrekorden im Freistil der Frauen mit Behinderung erzählt sie von ihrem außergewöhnlichen Weg, den Herausforderungen im Parasport und der Bedeutung von Inklusion.
Ein harter schnitt: vom tennisplatz ins wasser
Tennis war lange Deekens Sport, doch eine Hüftdysplasie und die daraus resultierende Operation beendeten ihre Karriere abrupt. „Dieses ‚Ballsport funktioniert nicht‘ war ein harter Einschnitt“, blickt die 49-Jährige zurück. Was folgte, war keine Resignation, sondern eine pragmatische Neuausrichtung. Um ihre Mobilität wiederzuerlangen, begann sie mit dem Schwimmen – und fand ihr neues Element.

Die freiheit des wassers: ein element der selbstbestimmung
Besonders im Freiwasser fühlt sich Deeken wohl. Das Wasser gibt ihr Freiheit, ermöglicht eine Bewegung, die an Land durch eine elektrische Beinprothese unterstützt werden muss. Im Wasser ist sie ganz sie selbst, unabhängig von Hilfsmitteln. Dieser Zustand der Unabhängigkeit scheint ihr mehr zu geben als nur sportliche Leistung.
Der Zufall spielte bei ihrer Entscheidung für das Eisschwimmen eine überraschende Rolle. Ein Bekannter erwähnte sie einmal beiläufig, als sie sich über die bevorstehenden Hallentrainings beschwerte. Die Reaktion Deekens, die sich selbst als „leichte Fröstlerin“ bezeichnet, war zunächst skeptisch, doch sie ließ sich überzeugen. Eine Entscheidung, die ihr Leben grundlegend verändern sollte.

Rekorde, titel und eine mission: für inklusion im sport
Mittlerweile ist Tina Deeken eine feste Größe im Para-Sport. 19 Weltmeistertitel, 9 Europameistertitel und Weltrekorde über 50, 100 und 250 Meter im Freistil sind der Beweis für ihre außergewöhnliche Leistung. Neben ihren Erfolgen im Eisschwimmen ist sie auch Deutsche Meisterin im Para-Triathlon. Die hohen Kosten für Ausrüstung, insbesondere für den Rennrollstuhl, sind jedoch eine ständige Herausforderung, die sie öffentlich thematisiert. Sie setzt sich als Botschafterin für den Zugang zu Sport für Menschen mit Behinderung ein – denn jeder sollte die Chance haben, seine Grenzen auszutesten.

Die kraft des umfelds: „das schaffst du!“
Deeken betont immer wieder die Bedeutung ihres Umfelds. „Immer war da jemand, der mir gesagt hat: Das schaffst du! Das kannst du auch noch! Natürlich geht das!“, so die Sportlerin. Dieses Vertrauen in ihre Fähigkeiten war und ist ein entscheidender Faktor für ihren Erfolg. Selbst die Idee, 50 Kilometer durch die Weser zu schwimmen, kam nicht von ihr selbst, sondern von jemand anderem – und sie stemmte die Herausforderung.
Das Eisschwimmen ist für sie mehr als nur ein Sport. Es ist eine ständige Herausforderung, die ihren Körper auf eine harte Probe stellt. Regelmäßige Check-ups sind unerlässlich, um die Belastung zu kontrollieren und den Körper optimal auf die Kälte vorzubereiten. „Die Tasse Tee hinterher nur halb füllen – bevor man sie in der Landschaft verteilt“, ist eine pragmatische Lektion, die sie aus ihren Erfahrungen gelernt hat.
