Fosso wählt löwen statt kreuz: jetzt spielt er für kamerun

Ryan Fosso schlägt einmal mehr die Seite um – diesmal in seinem Pass. Der 23-jährige Sechser, der in der Schweiz die U21-Männer dominierte, wird künftig die Farben Kameruns tragen. Die Entscheidung ist gefallen, die FIFA-Papiere laufen.

Für die Nati war ohnehin kein Platz mehr. Vor ihm stehen Zakaria, Freuler, Rieder und Co. – ein Mittelfeld, das selbst Europameister nicht ins Team bügelt. Fosso erkannte die Lücke und nutzte sie. Seine Wurzeln erlauben den Wechsel, die Karriere verlangt ihn.

Sturm graz setzt auf den neuen – und er liefert sofort

Erst im Winter wechselte er aus der niederländischen Eredivisie zum Tabellenführer der österreichischen Bundesliga. Trainer Christian Ilzer stellte ihn sofort neben Prass und Wunsch. Drei Starts, zwei Siege, ein Remis – Statistiken, die einen Nationaltrainer aufhorchen lassen, nur eben den in Yaoundé, nicht den in Bern.

Bei Fortuna Sittard war Fosso schon Drehscheibe, in Graz wird er zum Chefstrate-gen. Seine Zweikampfquote liegt bei 59 %, seine Passquote bei 87 % – Werte, die in der Super League nur Elitespieler erreichen. Nun will er sie im Central Stadium von Johannesburg oder Libreville unter Beweis stellen.

Die Schweiz verliert damit das dite Talent binnen Monaten. Albian Hajdari wechselte nach Albanien, Leon Avdullahu nach Kosovo. Die Liste wird länger, der Frust größer. Doch Fossos Fall ist klar: Er spielte nie ein Pflichtspiel für die A-Nati, also zählt er nicht als Abgang, sondern als Neuanfang anderswo.

Die u21 verliert ihren motor – und gewinnt eine geschichte

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Patrick Rahmen wird ihn vermissen. Fosso war Kapitän, Führungsspieler, Ruhepol. Ohne ihn rutschte das Team aus dem Topf – 1:4 in Frankreich, 0:2 in Israel. Die EM-Chance schwindet, das Gesicht auch. Doch die Nachricht macht klar: Fosso ist bereit für Afrika, nicht für die Reservebank.

Kameruns Coach Rigobert Song sucht seit der WM einen Balleroberer neuchner Schale. André-Frank Zambo Anguissa trägt die Last allein. Mit Fosso bekommt er einen Partner, der in Europa gelernt hat, wie man den Gegner vor dem Strafraum stoppt – und wie man danach sofort kontert.

Beim Afrika-Cup 2024 will Fosso dabei sein. Die Qualifikation beginnt im September, das Ticket gegen Burundi und Namibia gilt als machbar. Wer den Sechser in Graz erlebt, weiß: Er wird reisen, tackleln, treten – und die Schweizer Fahne wird im Gepäck fehlen.

Am 9. Juni trifft Sturm Graz in der Quali zur Conference League auf Partizan Belgrad. Fosso steht auf dem Plan, doch sein Kopf rast schon weiter. Ein Länderspiel in Afrika, vielleicht gegen Senegal, vielleicht gegen seinen Ex-Klubkollegen Mambimbi. Die Karriere bekommt eine neue Farbe: Grün-Rot-Gold statt Rot-Weiß.

Für die Fans der Pelkumer TSV ist die Botschaft klar: Nationalität ist kein Tattoo, sondern eine Taktik. Fosso hat neu gezeichnet – und niemand weiß, wie viele weitere Seiten noch folgen.