Bodö/glimt pulverisiert sporting: 3:0 und der kunstrasen kocht

Kunstrasen, Kunststück: FK Bodö/Glimt hat Sporting Lissabon mit einem 3:0 in der Tasche und die Champions League wieder einmal auf den Kopf gestellt. Die „Gelbe Dampfwalze“ rollte am Mittwochabend über das Aspmyra-Stadion hinweg und schob die Portugiesen buchstäblich ins Meer: 3:0, Chancenverhältnis 14:3, Ballbesitz 67 %. Fertig ist der Bacalhau.

Trainer Kjetil Knudsen schickte seine Mannschaft in einem 4-3-3 mit zwei spielstarken Achtern und außenverteidigern, die sofort in die halboffenen Räume stürmten. Das Ergebnis: Sporting stand nach neun Minuten erstmals unter Druck, nach 23 Minuten lag der Favorit zurück. Jens Petter Hauge, einst bei Eintracht Frankfurt, nahm einen abprallenden Ball aus zwölf Metern volley – 1:0. Das Stadion explodierte, der Kunstrasen knisterte formelhaft.

Kunstlicht, kunstrasen, kunsttor

Kunstlicht, kunstrasen, kunsttor

Die zweite Hälfte war ein einziger Energieschub. Bodö presste in 4-1-3-2, Sporting wechselte dreimal, aber nichts half. In der 57. Minute schlug Fredrik André Bjørkan eine Flanke aus dem linken Halbraum, Mikkel Broberg Kopfball – 2:0. Die 68. Minute: Konter, Dreiecksverhältnis, Hauge legt quer, Amahl Pellegrino schließt ab – 3:0. Die Zahlen sind schonungslos: fünf Heimspiele in dieser Saison, fünf Siege, 16:1 Tore. Wer hier landet, verliert.

Die Serie liest sich wie ein Who-is-Who des europäischen Klubfußballs: Manchester City, Atlético Madrid, zweimal Inter Mailand, nun Sporting. Fünf Klubs, fünf Mal Bodö/Glimt am Ende mit mehr Laufleistung und mehr Torschüssen. „Wir haben keinen Stern auf der Brust, aber wir haben einen Rasen, der brennt“, sagte Knudsen nach Abpfiff. Der Coach sprach kein einziges Mal von einem Wunder, sondern von „Planerfüllung bis Minute 94“.

Der Blick geht nach Lissabon. Sporting muss am Dienstag einen Drei-Tore-Rückstand aufholen, ohne Innenverteidiger Coates, der Gelb-Rot kassierte. Die Leihgebühr für das Estádio José Alvalade ist bereits gezahlt, die Tickets ausverkauft. Bodö/Glimt reist mit 2.400 Fans, einem Physiotherapeuten-Team und einem Statistiker, der jeden Sprint misst. Die Norweger haben nichts zu verlieren – außer vielleicht ihre Unbesiegtheit.

Die UEFA wird das Rückspiel genau unter die Lupe nehmen: Kunstrasen-Giganten sind für die Marketingabteilung ein Alptraum, weil sie die Tradition der Großstädte ins Wanken bringen. Für Bodö sind sie Realität. 61.000 Einwohner, ein Flughafen, ein Rasen – und plötzlich die halbe Champions League in Schockstarre. Das Märchen ist längst kein Märchen mehr, sondern ein Protokoll mit Datum und Uhrzeit.

Am Ende stand Hauge vor der Presse, ein Mikrofon in der Hand, das andere Auge bereits auf den Viertelfinal-Kalender gerichtet. „Wir wissen, dass sie in Lissabon alles oder nichts spielen. Aber wir haben gelernt, dass alles möglich ist, wenn der Rasen knirscht und die eigenen Beine noch schneller werden als die Gedanken.“ Dann lächelte er. Bodö/Glimt hat Sporting den Bacalhau serviert – und das Rezept steht auf dem Kunstrasen von Aspmyra. Am Dienstag gibt es Nachschlag.