Conte lässt endlich wieder jubeln – mctominay und de bruyne starten in cagliari von anfang an
Endlich ein Grund zu lächeln für Antonio Conte: Nach dem dramatischen Sieggegen Lecce kehren Scott McTominay und Kevin De Bruyne in die Startelf zurück – und das mitten im Kampf um die Champions-League-Tickets.
Warum das duell in cagliari mehr als drei punkte zählt
Ohne den Anhang des Maradona-Stadions, ohne emotionale Schützenhilfe von der Tribüne. In Sardinien muss der SSC Neapel auswärts beweisen, dass er auch ohne Zwölften Mann die Partie dominiert. Contes Ansage an seine Schlüsselspieler war klar: „Kontrolliert das Spiel, gebt keine Halbzeit her.“ Genau das war gegen Lecce passiert. Ein kaltes 0:1 zur Pause, ein Aufwachen erst nach der Pause – mit McTominay und De Bruyne.
Beide kamen zur Halbzeit, beide drehten binnen 20 Minuten das Spiel. McTominay bugsierte Rasmus Hojlund zum Ausgleich, schlug anschließend selbst das 2:1. De Bruyne leitete jeden gefährlichen Angriff ein, spielte die Lecce-Abwehr mit zwei Ballkontakten schwindelig. Für Conte war das der Beweis: Mit seiner „Doppel-Null“ auf der Acht besteht Neapel zu 70 Prozent Ballbesitz und zu 100 Prozent Siegeswillen.

Mctominays comeback nach schmerz-pause
Vier Spiele fehlte der Schotte weit über den ursprünglichen Einschätzungen hinaus. Die Entzündung im Gesäß- und Oberschenkelbereit schwoll nach dem Genoa-Spiel so stark an, dass er in der Kabine kaum noch Treppen steigen konnte. Dennoch lieferte er in 45 Minuten beim 2:1-Sieg die Vorlage und das Winner. Statistiker fanden heraus: Ohne McTominay gewann Neapel in dieser Saison kein einziges Spiel, in dem er nicht mitwirkte. Die Zahlen lügen nicht – 0,8 Tore, 2,3 Ballgewinne und 11,5 km Laufleistung pro 90 Minuten sind Spitzenwerte im Kader.
Conte lobte nach dem Schlusspfiff dessen „Mischung aus Box-to-Box und Sechser-Instinkt“. Der 28-Jährige hat sich in Italien weiterentwickelt: Früher ging er als reiner Balleroberer, heute leitet er bereits 35 Prozent aller Angriffe über die linke Halbräume. Gegen Cagliari soll diese Entwicklung erneut glänzen.

De bruynes zauber – ein coach im spiel
Kevin De Bruyne sieht Lücken, bevor sie entstehen. Sein erstes Ballannehmen gegen Lecce war ein Diagonalpass in den halben Raum, der drei Gegenspieler aus dem Rennen nahm. Sein zweites Tor gelang nicht ihm, aber durch ihn: Die Vorarbeit war so präzise, dass Hojlund nur noch einzuschieben brauchte. Die belgische Führungsperson versteht es, Contes 3-4-2-1 mit Leben zu füllen. Er rückt in die Zehn, zieht sich in die Acht, spielt kurz, spielt lang – und immer diagonal. Seine 2,6 Schlüsselpässe pro 90 Minuten sind Liga-Highlights, seine 87-prozentige Passgenauigkeit ein Garant für Ballbesitz-Kontrolle.
Die Chemie mit McTominay funktioniert, weil beide unterschiedliche Profile besetzen: Der Schotte gewinnt den Ball, der Belgier verteilt ihn. Conte spricht von „symbiotischem Mittelfeld“, Analysten nennen es schlicht: „das Herzstück der Aufholjagd.“

Champions-league-druck und die folgen für den befreiungsschlag
Bei drei Punkten Rückstand auf Milan und zwei Spielen weniger schmilzt der Puffer. Die Partie in Cagliari ist deshalb mehr als ein Pflichtsieg – sie ist ein Statement. Gewinnt Neapel, rückt die Rückkehr in die Königsklasse in greifbare Nähe. Verliert oder remisst die Mannschaft, dürfte der Fokus auf die Europa-League-Quali rutschen. Conte will dieses Szenario verhindern, sein Arbeitspapier sieht Prämien für die Champions League vor. Die sportliche Leitung signalisierte: Alles unter Rang vier wäre ein „Risiko für die Planstelle“ – ein Satz, der in den Ohren des Erfolgstrainers hallt.
Die Personaldecke ist zudem breiter geworden. Anguissa kehrt zurück, Elmas findet nach monatelanger Fehlbesetzung zu alter Form. Doch Conte setzt auf Qualität statt Quantität: McTominay und De Bruyne bilden die Doppellizenz für Ballgewinn und Spielglanz. Die restlichen Plätze verteilt der Trainer nach Fitness-Stand. Seine Devise lautet: „Wir spielen nicht in Cagliari, um zu hoffen – wir fahren, um zu gewinnen.“
Die letzten beiden Auswärtsauftritte endeten mit Null Punkten, das Torverhältnis lag bei 1:5. Die Statistik spricht gegen Neapel, die Formkurve für die Gold-Duo. Sollte das Experiment gelingen, könnte der Aufstieg auf Platz zwei nur noch Formsache sein. Conte weiß: Mit einem Sieg in Sardinien winkt nicht nur die Champions League, sondern die Bestätigung seiner Transfer-Strategie. Die nächsten 90 Minuten entscheiden über mehr als drei Punkte – sie markieren die Richtung der Post-Serie-A-Zukunft.
