Beccalossi: zwei elfmeter, zwei tore – und ein wutanfall im umkleideraum!
Mailand – Evaristo „Becca“ Beccalossi, der gefeierte Torjäger der Inter Mailand in den frühen 80er Jahren, wird für immer mit einer denkwürdigen Nacht im September 1982 in Erinnerung bleiben. Ein Abend, an dem er nicht nur zwei Elfmeter vergab, sondern auch einen regelrechten Wutanfall im Spindelzimmer erlebte – eine Geschichte, die Paolo Rossi in seinem legendären Monolog „Lode a te, Evaristo Beccalossi“ verewigte.
Ein sommer der hits und eine bittere niederlage
Es war der 15. September 1982. Italien hatte gerade die Weltmeisterschaft gewonnen, doch „Becca“ gehörte nicht zum Triumphzug. Während Miguel Bosé, Claudio Baglioni und Giuni Russo die Charts anführten, stand Inter Mailand im Achtelfinale des UEFA-Pokals gegen Slovan Bratislava. Im San-Siro-Stadion herrschte Spannung, denn die Tschechoslowaken waren kein leichtes Los.
Inter dominierte das Spiel, angetrieben von Alessandro Altobelli, genannt „Spillo“, und dem brasilianischen Stürmer Juary, dessen Markenzeichen das Umrunden der Eckfahne nach jedem Tor war. Doch die Tore blieben aus. „Becca“ spürte den Druck, die Verantwortlichkeit. Er wusste, dass er mehr geben musste.

Der elfmeter-albtraum
Die zweite Halbzeit begann mit einem hohen Tempo. Giuseppe Baresi, Antonio Sabato, Salvatore Bagni und Gabriele Oriali warfen alles nach vorne. Doch dann kam der Moment: Jan Hlavaty foultete „Becca“ im Strafraum, und der Schiedsrichter zeigte auf den Elfmeterpunkt. „Ich bin der Schütze“, sagte Beccalossi später. „Ich nehme den Ball, stelle ihn hin, gehe an den Punkt und schieße eine Art Mozzarella – daneben!“
Die Enttäuschung war groß, aber „Becca“ gab nicht auf. Kurz darauf wurde erneut ein Elfmeter für Inter gepfiffen. Diesmal zögerte er nicht, ging an den Ball und schoss erneut daneben. Milan Mana, der Torwart von Slovan Bratislava, war an diesem Abend in Glanzform.
„Für mich war das der Moment, in dem alles dunkel wurde“, gestand Beccalossi.

Zerstörungswut und die akzeptanz der fans
Was dann geschah, ist Legende: „Ich war so wütend und nervös, dass ich zwei Türen im Umkleideraum zerschlug und wie ein Wahnsinniger schrie.“ Doch die Reaktion seiner Teamkollegen war überraschend: Sie trösteten ihn, sagten ihm, dass es nicht schlimm gewesen sei. Sogar Präsident Ivanoe Fraizzoli und Sandro Mazzola kamen, um ihm aufmunternde Worte zu sagen.
Doch der größte Triumph kam erst später: Als Beccalossi nach seiner Verletzung wieder auf dem Platz stand, empfing ihn das Publikum mit einer tosenden Ovationssalve: „Eee-varisto! Eee-varisto!“ In diesem Moment wusste er, dass seine Verbindung zu Inter echt war – und immer sein würde.

Paolo rossis hommage
Paolo Rossi, der als Inter-Fan bekannt ist, verewigte diesen Abend in seinem Monolog: „Ich werde diesen Inter-Slovan-Abend nie vergessen. Er schoss den Elfmeter und ich dachte: Das ist ein echter Mann. Dann schoss er den zweiten und ich dachte: Für mich ist er immer noch ein Mann. Ein bisschen Pech hatte er, aber immer noch ein Mann.“
Die Geschichte von Evaristo Beccalossi ist eine Erinnerung daran, dass selbst die größten Stars Fehler machen können – und dass die wahre Größe eines Sportlers darin liegt, mit diesen Fehlern umzugehen und sich von seinen Fans tragen zu lassen. Denn manchmal sind es die Niederlagen, die uns stärker machen – und die den Weg für zukünftige Siege ebnen.
