Bad nauheim stolpert in die playdowns – gaudet muss notlösung retten
Bad Nauheim steht vor dem, was sich jeder Verantwortliche im Schlaf ausmalte: Erstmals seit 2017 droht dem ECN der Abstieg aus der DEL2. Die Kurstädter feuerten Antti Karhula, holen Kevin Gaudet als Notnagel – und müssen gegen Weiden ran.
Karhula raus, gaudet rein – ein wechsel voller verzweiflung
Zwölf Spiele lang versuchte der Finne, die defensiven Ritzen zu kitten, doch nur zwei Siege sprangen heraus. Die Konsequenz folgte am Montagabend per Pressemitteilung: sofortige Freistellung. Kevin Gaudet, 60, kennt die Truppe, er war schon 2022 Interimslösung. Jetzt hat er zwei Trainingseinheiten, um eine Best-of-Seven-Serie gegen die Blue Devils zu drehen. „Wir müssen sofort eine Reaktion zeigen“, sagt Manager Stefan Hocke. Die Reaktion kam – mit einem Trainerwechsel, der mehr Angst als Strategie signalisiert.
Die Zahlen sind gnadenlos: 52 Spiele, 49 Punkte, Platz zwölf – das schlechteste Abschneiden seit der Rückkehr in die Zweite Liga. Die Offense schoss nur 132 Tore, die wenigsten aller DEL2-Teams. Powerplay-Quote: 12,4 Prozent, Reihenfolge der Peinlichkeiten. „Wir haben die meiste Zeit wie ein Kollektiv ohne Zähne gespielt“, sagte Abwehrchef Moritz Müller nach dem 1:4 in Kaufbeuren. Die Stimmung im Block F kochte, Plakate mit „Karhula out“ flatterten schon vor Wochen über die Bande.

Weiden wartet – und der abstieg kostet millionen
Die Blue Devils beendeten die Hauptrunde als Drittletzter, haben aber mit Topscorer Jamie Bopp einen Mann, der in 48 Spielen 58 Punkte sammelte. Gaudet muss seine Defensive auf Bopp umbauen, zugleich die erste Reihe um Kapitän Akim Aliu finden, die in den letzten zehn Partien nur jedes dritte Tor erzielte. „Wenn wir vier Mal gewinnen, ist die Saison gerettet – klingt einfach, ist es aber nicht“, sagt Gaudet mit der Gelassenheit eines Mannes, der schon drei Playdown-Patzer erlebte.
Der wirtschaftliche Schaden wäre enorm. TV-Gelder weg, Sponsoren springen ab, die meisten Spielerverträge enthalten Klauseln für den Oberliga-Fall – Gehaltsstufen purzeln um 40 Prozent. Die Stadt Bad Nauheim fördert den ECN jährlich mit 350.000 Euro, bei einem Abstieg wackelt schon das Projekt neue Eisfläche 2027. „Wir reden hier nicht nur über Punkte, sondern über Arbeitsplätze“, sagt Stadtsprecherin Lisa Koch.
Die Fans reagierten binnen Stunden: Die ersten 1.200 Tickets für Freitag in Weiden sind vergriffen, 400 mitgereiste Nauheimer werden erwartet. Sollte die Serie bis Spiel sieben gehen, steigt das Rückspiel am 27. März – genau am Tag, an dem vor drei Jahren noch das Finale gegen Ravensburg stand. Die Ironie liegt auf dem Eis. Bad Nauheim muss jetzt liefern, sonst droht der freie Fall in die dritte Liga. Und kein Trainerwechsel der Welt kann eine Saison auslöschen, die schon in Zahlen erstarb.
