Italiens schicksalstag: am 22. märz 2026 entscheidet sich die macht der richter
Mailand rüstet sich für den zweiten Sonntag im März, der diesmal nicht den Derby-Kracher, sondern die Richtung des Staates bestimmt. Am 22. und 23. März 2026 stimmen 51 Millionen italienische Wahlberechtigte über die umstrittene Justizreform ab – ein Referendum, das die Karrierepläne von Richtern, Anwälten und Politikern auf einmal auf den Kopf stellt.
Die machtfrage steht auf dem wahlzettel
Anders als bei den fünf Abrogativ-Referenden im Juni 2025 geht es diesmal nicht darum, ein Gesetz zu kippen, sondern zu bestätigen. Parlament und Regierung haben bereits im Oktober 2025 die Verfassungsreform beschlossen. Nun liegt sie zur Absegnung vor – ein sogenanntes „referendum confermativo“. Wer „Ja“ ankreuzt, baut den Justizapparat um. Wer „Nein“ wählt, lässt das System so bröckeln, wie es ist.
Die Kernelemente: Die Trennung der Karrierewege von Staatsanwälten und Richtern wird verschärft, das Consiglio Superiore della Magistratura verliert Einfluss, eine neue Disziplinarkammer für Spitzenrichter wird geschaffen. Kurz: Die Politik zieht die Leine kürzer.
Der Wahltag selbst folgt einem Sonntags-Modell, das Italiener von der Fußball-Bundesliga kennen: Wahllokale öffnen am 22. März um 7 Uhr, schließen um 23 Uhr und machen am Folgetag von 7 bis 15 Uhr weiter. Wer nicht geht, braucht keine Ausreisegenehmigung – aber er schwächt die Gültigkeit. Die Reform gilt nur, wenn sich mehr als 50 Prozent der Stimmberechtigten beteiligen und die Mehrheit der abgegebenen Stimmen dafür ist.

Wer profitiert vom ja, wer vom nein?
Die Befürworterkampagne trägt das Logo von Ministerpräsident Giorgia Meloni und all jener, die seit Jahren ein schnelleres Verfahren und mehr politische Kontrolle fordern. Ihre Botschaft: „Weniger rote Roben, mehr Rechenschaft.“ Die Gegner versammeln sich um die Magistraturgewerkschaft ANM und Teile der Opposition. Sie warnen vor einem „Angriff auf die Unabhängigkeit“ und sprechen von „Salami-Politik“, die die Gewaltenteilung aushöhlt.
Die Zahler der Kostenschätzung: Rund 350 Millionen Euro kostet die Durchführung, gerechnet auf 51 Millionen Stimmberechtigte. Das macht 6,86 Euro pro Kopf – teurer als ein Dauerkarten-Schnupperangebot für die Serie A.
Die Entscheidung fällt in einer Atmosphäre, in der Gerichtsverfahren durchschnittlich sieben Jahre dauern und 5,4 Millionen Akten auf die endgültige Aburteilung warten. Die Reform verspricht, das Pensum auf unter fünf Jahre zu drücken. Ob das Versprechen hält, entscheidet nicht die Justiz, sondern das Volk – mit einem Kreuz auf Papier, nicht mit einem Schiedsrichterpfiff.
