Ioc schreibt chromosom-test für frauen-bewerbe vor – dosb zögert

Los Angeles 2028 wird der Ort, an dem Olympia wieder biologisch definiert. Das IOC setzt auf das SRY-Gen als Türcode für die Frauenkategorie – und schaltet damit 28 Jahre nach Atlanta erneut einen genetischen Schalter um.

Der Test sucht nach dem Y-Chromosom-Faktor, der männliche Geschlechtsmerkmale in Gang setzt. Speichel, Schleimhaut oder ein Blutstropfen reichen aus, um das Ticket zu verlieren. Betroffen sind Trans- und Inter-Athletinnen, die bislang als Frauen starten durften. Für sie bedeutet die Regel eine Ausgrenzung, für den Spitzensport eine Rückkehr ins 20. Jahrhundert.

Dosb will athletinnenkommission einbinden

Dosb will athletinnenkommission einbinden

Der Deutsche Olympische Sportbund reagiert vorsichtig. „Wir prüfen, welche Rolle wir als NOK spielen“, heißt es in einer knappen Mitteilung. Die Athlet*innenkommission und die Mitgliedsverbände sollen mitreden. Komplex und sensibel nennen die Verantwortlichen das Thema – mehr nicht.

Die neue Regel gilt ab Sommer 2028 für alle olympischen Disziplinen, ob Einzelwettkampf oder Mannschaftssport. Für Deutschland stellt sich vor allem die Frage: Wer zahlt die rechtlichen Folgen, wenn eine Athletin vor dem Internationalen Sportgericht klagt? Der DOSB schweigt dazu.

Die letzte Runde genetischer Tests fiel 1996 in Atlanta in die Kritik – wegen Invasivität und Fehlerquote. Heute sind die Labore schneller, doch die ethische Fragwürdigkeit bleibt. Der Sport rückt zurück ins Labor, während draußen die Gesellschaft längst weiterdiskutiert.

Die Uhr tickt. In drei Jahren brennt das olympische Feuer in L.A. – und mit ihm die Frage, wer als Frau starten darf. Das IOC liefert die Antwort in Form eines Gens. Der Rest ist Politik.