Fourcade steht auf der kippe – mazets frankreich-coup wirbelt cheftrainer-posten durcheinander

Frankreichs Biathlon-Männer haben einen neuen Schieß-Guru, aber ob ihr Erfolgstrainer Simon Fourcade ihn jemals einsetzen darf, steht auf Messers Schneide. Der 41-Jährige muss sich erst mit dem Verband einigen – und mit sich selbst.

Mazet kommt, fourcade? vielleicht

Der Name Siegfried Mazet war seit Wochen im Umlauf, nun ist es offiziell: Der Ex-Norwegen-Schießcoach wechselt an die Loire. Was genau er dort macht, weiß nur der Teufel. Die Funktionsbezeichnung „Leiter Schießen“ existiert künftig nicht mehr. Stattdessen tauchen interne Papiere mit Stellen wie „Performance-Director“ oder „Chief of Shooting Excellence“ auf – alles schöne Etiketten für ein Machtvakuum.

Fourcade, seit Olympia 2022 Gold-Chef und Bruder des Rekordweltmeisters Martin, schreibt in seiner Kolumne für Le Dauphiné von einem „Abenteuer“, das er fortsetzen will. Klingt nach Romantik, ist aber ein Seiltanz. Denn Mazet bringt nicht nur die norwegische Schieß-Mentalität mit, sondern auch ein Ego, das in Oslo schon für heftige interne Debatten sorgte. Wer jetzt denkt, zwei Alphamänner könnten sich friedlich eine Bahn teilen, hat die Biathlon-Bundesliga nicht verfolgt.

Die stunde der wahrheit naht

Die stunde der wahrheit naht

In zwei Wochen tagt der französische Verband in Paris. Dort wird entschieden, ob Fourcades Vertrag – läuft 2027 aus – vorzeitig verlängert wird oder ob Mazet die alleinige sportliche Leitung übernimmt. Eine Ko-Konstruktion? „Möglich, aber nicht wahrscheinlich“, flüstert ein Verbandsinsider. Intern heißt es, Mazet wolle „die Finger am Abzug“ haben, nicht nur metaphorisch.

Die Athleten schauen sich die Posse mit gemischten Gefühlen an. Quentin Fillon Maillet, Olympia-Held und Fourcade-Vertrauter, beteuert öffentlich Loyalität – privat aber haben ihm Berater schon neue Schießtrainer empfohlen. Émilien Jacquelin postet Trainingsvideos aus Antholz, in denen er plötzlich mit norwegischem Kurzanschlag experimentiert. Zufall? Kaum.

Die Uhr tickt. Frankreich will 2030 in Grenoble Heim-WM austragen – ein Milliardenprojekt, das einen funktionierenden Männer-Kader braucht. Ein Machtkampf auf dem obersten Trainerposten wäre da Kontra-Produkt. „Wenn wir bis Mai kein klares Modell haben, verlieren wir die besten Schützen an Norwegen oder Deutschland“, warnt ein Sponsor, der jährlich siebenstellig in den Verband investiert.

Fourcade selbst schweigt inzwischen. Nach seiner Kolumne schalteten Berater den Kommunikations-Modus auf „Stumm“. Mazet hingegen genießt die Aufmerksamkeit, lässt durchsickern, er habe „kein Problem, Chef oder Berater zu sein“. Die Botschaft ist klar: Er kommt nicht, um die zweite Geige zu spielen.

Die Franzosen feiern sich gern als Biathlon-Republique, doch hinter den Kulissen tobt ein Machtpoker, der den Kader lahmlegen könnte. Wer auch immer am Ende die Zügel übernimmt, muss sich beeilen: Die ersten Schneetests starten in vier Monaten – und die norwegische Mannschaft hat längst ihre Hausaufgaben gemacht.