Magdeburg schon fast in köln – berlin muss sich gegen veszprém blutig kämpfen
Ein Fuß ist schon drin, der andere steckt fest im ungarischen Lehmboden: Deutschlands Handball-Hoffnung trägt zwei Gesichter. Magdeburg kann am Donnerstag mit sieben Toren Vorsprung und breiter Brust gegen Pick Szeged antreten, während die Füchse Berlin heute Abend (18.45 Uhr) in der Max-Schmeling-Halle ein 34:35 aus dem Rückspiel korrigieren müssen – sonst bleibt der Traum vom Final4 in Köln ein Traum.
Die rechnung der füchse: sieg oder ausverkauf
Bob Hanning spricht nicht drum herum. „Gegen Veszprém hast du erst gewonnen, wenn du geduscht bist“, zitiert der Geschäftsführer eine alte Handballweisheit, die sich wie ein Seil um den Hals des Pokalsiegers legt. Die Niederlage in der Pick-Szeged-Arena war kein Ausrutscher, sondern ein Warnschuss: 60 Minuten Führung, dann ein Kollaps, der die Berliner nun in die Ecke drückt. Nicolej Krickau, Trainer mit kaltem Blick, nennt das, was folgt, „ein brutales Spiel“. Keine Rechnerei, keine Ausreden – nur ein Sieg zählt.
Die Stunde der Wahrheit trifft den Klub mitten in die Kasse. Ein Final4-Ticket sichert nicht nur Prestige, sondern garantiert die Teilnahme an der nächsten Champions-League-Saison. Ohne dieses Preisgeld droht ein Budgetloch, das selbst Mathias Gidsels Torquote nicht füllt. Der dänische Welthandballer kostet Gehalt, Ablöse, Werbeboni – und will zurück nach Köln, wo er 2023 mit einem Silberrang im Munde davonlief. „Ich möchte gern dorthin zurückkehren“, sagt er, „aber es wird schwer, Veszprém zu schlagen.“

Magdeburg reist als jäger statt gejagter
Während in Berlin alle Daumen drücken, packt der SC Magdeburg bereits die Koffer für den Rhein. Das 35:28 in Szeged war keine Demonstration, sondern eine Demonstration pur: 60 Minuten Kontrolle, zwölf Tore Vorsprung in der Pause, ein Gegner, der sich selbst zerlegte. Bennet Wiegert verlangt trotzdem Wiederholung. „Wir müssen das Gleiche noch einmal zeigen. Wieder kämpfen und alles geben“, sagt der Trainer, der weiß, dass ein Halbherziges die Ungarn sofort zurück in die Partie katapultieren könnte.
Der Bundesliga-Tabellenführer hat die Königsdisziplin zur Routine erklärt: drei Titel, vier Final4-Teilnahmen in Serie – und jetzt der Anlauf auf das zweite Double innerhalb von zwölf Monaten. Für die Magdeburger ist Köln kein Ziel, sondern ein Termin. Der Rest Deutschlands schaut neidvoll zu und hofft, dass wenigstens die Füchse nachziehen.
Spätestens um 20.30 Uhr steht fest, ob Deutschland im Juni zwei Vertreter im Lanxess-Arena-Spektakel hat oder ob sich die Handball-Nation wieder auf einen einzigen Hoffnungsträger stützen muss. Die Rechnung ist simpel: Magdeburg darf verlieren, Berlin muss gewinnen. Alles andere wäre ein Schneeballsystem aus Träumen und Schulden.
