Fiorentina stürzt ins viertelfinale – doch die rettung schwebt über cremona

Am Donnerstag um 21 Uhr steht Raków Częstochowa im Stadio Artemio Franchi auf dem Programm – für die Fiorentina ein Spiel mit offenem Ende, weil drei Tage später das Relegations-Duell gegen Cremona droht. Wer träumt da noch von Europa?

Nicolò Fagioli, gerade erst vom Bannstrahl der Wett-Sperre zurück, feierte gegen Jagiellonia Białystok sein Tor wie einen Befreiungsschlag. Die 4:2-Niederlage im Rückspiel war dabei, die Toskaner zu erdrücken, doch das 3:0 aus dem Hinspiel rettete den Viertelfinal-Einzug. Seitdem hat sich die Stimmung aber verflüchtigt.

Die liga nagt an der moral

Ein Punkt Vorsprung auf Cremona. Das ist kein Polster, das ist ein Seil um den Hals. Vanoli rotiert deshalb, will Kean schonen, denkt laut über eine B-Elf nach. Doch wer schon gegen Parma nicht mehr trifft, darf sich gegen Raków keine Blöße geben. Die polnischen Meisterschaftsdritten holten in der Gruppenphase 14 von 18 Punkten, blieben damit selbst hinter Strasbourg nur zweiter, weil deren Torverhältnis besser war. Im eigenen Land kratzen sie an der Champions-League-Ränge, gewannen zuletzt 2:0 gegen Pogon Szczecin und reisen mit Rückenwind nach Florenz.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Kein Gegentor ist die Wette, die Buchmacher am meisten umtreibt. „No Goal“ steht bei 1,94 – 1,95, ein Wert, der die Angst der Klubs vor eigenen Fehlern offenlegt. Wer denkt, dass Fiorentina von der ersten bis zur letzten Minute dominiert, bekommt auf „Halbzeit/Endstand 1/1“ bis zu 2,75 zurück. Es ist ein Risiko, das sich nur lohnt, wenn die Köpfe frei sind. Und genau die sind es nicht.

Wettbonus jagt wettbonus – doch die wahrheit liegt auf dem rasen

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AdmiralBet, William Hill, StarCasinò, Vincitù – alle buhlen um neue Kunden, erhöhen Willkommensgeschenke auf 5.000 Euro oder schieben 300 Euro ohne Einzahlung nach. Die Kampagne läuft parallel zur sportischen Existenzfrage. Kein Zufall: Wo Angst herrscht, wird mehr gewettet. Die Fiorentina-Fans wissen: Verlieren die Lila gegen Cremona, zählt kein Bonus der Welt mehr.

Dennoch ist der Europapokal ein Ventil. Die Conference League ist kein Prestigeobjekt, sondern die letzte Bühne, auf der sich die Saison noch retten lässt. Ein Viertelfinalplatz würde das UEFA-Ranking stabilisieren, zusätzliche Prämien locken und vielleicht sogar den einen oder anderen Profi davor bewahren, im Sommer die Koffer zu packen.

Vanoli wird mischen, das haben die Trainingseinheiten verraten. Biraghi soll links die Läufe von Raków-Kapitän Szelągowski abdrehen, Arthur Melo die Tempogegenstöße ankurbeln. Und Fagioli? Der muss erneut liefern, denn seine Stunde ist noch längst nicht geschlagen. Die Kurve wird ihn tragen, doch sie wird auch jeden Fehlpass sofort buhen. Die Geduld ist aufgebraucht.

Beim Blick auf die Gegenseite glänzt vor allem Mittelstürmer Bergqvist: fünf Treffer in der Gruppenphase, 1,91 m groß, Kopfballquote von 42 Prozent. De Gea wird nicht nur mit den Füßen gefordert. Die Flanken kommen schnell, die Zweikämpfe hart. Und die Uhr tickt unerbittlich: 90 Minuten, um eine Saison zu retten, bevor die Serie A wieder zuschlägt.

Donnerstagabend in Florenz: Das Stadion wird kochen, die Quote auf „Unentschieden“ steht bei 3,40 – ein Wink der Buchmacher, dass niemand so recht weiß, wohin die Reise geht. Für die Fiorentina gilt: gewinnen oder eben doch wieder in die eigene Hölle blicken. Die Konferenz ist kein Luxus mehr, sie ist ein Rettungsanker. Und Rettungsanker kann man versenken – oder sich daran hochziehen.