Verwirrung auf landstraßen: werden sie jetzt teuer beim überholen?

Wer kennt es nicht? Man überholt auf einer Landstraße, vielleicht etwas zu flott, und plötzlich droht ein teurer Strafzettel. Viele Autofahrer, besonders solche, die ihren Führerschein vor dem 1. Quartal 2022 erworben haben, sind sich unsicher, welche Regeln beim Überholen auf Landstraßen gelten. Eine vermeintliche Fehlinterpretation kann schnell ins Portemonnaie greifen.

Die alte regel: ein zusätzlicher spielraum beim überholen

Früher stand im Führerschein-Handbuch ein zusätzlicher Puffer von 20 km/h beim Überholen auf Landstraßen. Das bedeutete, bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h, konnte man punktuell bis zu 110 km/h fahren, um ein anderes Fahrzeug zu überholen. Eine Regel, die viele Autofahrer als hilfreich und praktikabel empfanden, um den Verkehr flüssig zu halten.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Mit der Einführung des Gesetzes 18/2021 vom 20. Dezember hat sich das geändert. Artikel 21 der Straßenverkehrsordnung wurde entsprechend angepasst. Die neue Regel besagt eindeutig: Die für Schnellstraßen und Landstraßen geltenden Höchstgeschwindigkeiten dürfen beim Überholen in keinem Fall überschritten werden.

Diese Änderung, die am 21. März 2022 in Kraft trat, wurde von der DGT (Dirección General de Tráfico) mit der Notwendigkeit begründet, das Risiko von Frontalkollisionen zu reduzieren. Das Ziel ist klar: Fahrer sollen sich zweimal überlegen, bevor sie ein Überholmanöver riskieren. Kritiker bemängeln jedoch, dass diese Regelung dazu führen kann, dass Überholmanöver unnötig lange dauern und somit den Verkehrsfluss behindern.

Warum halten viele Fahrer weiterhin an der alten Methode fest? Ein Grund ist die Gewohnheit. Viele haben jahrelang die 20 km/h-Regel angewendet und es erfordert eine Umstellung des Denkens, um diese zu verinnerlichen. Ein weiterer Faktor ist die schiere Anzahl der Fahrer, die ihren Führerschein vor dem Stichtag erworben haben, was die Wahrscheinlichkeit einer Fehlinterpretation erhöht.

Die konsequenzen: teure strafen für falsches überholen

Die konsequenzen: teure strafen für falsches überholen

Wer sich heute an die „alte Regel“ der 110 km/h auf einer Strecke mit 90 km/h erlaubt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Bußgeld von 100 Euro rechnen. Doch die Kosten können schnell steigen. Übersteigt die Geschwindigkeit 120 km/h, springt das Bußgeld auf 300 Euro und es werden zwei Punkte in Flensburg abgezogen. Zwischen 141 und 150 km/h werden es 400 Euro und vier Punkte, bei 151 bis 160 km/h sogar 500 Euro und sechs Punkte. Wer mit über 160 km/h erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von 600 Euro und sechs Punkten rechnen. Und ab 170 km/h wird es ernst: Dann droht nicht mehr nur eine administrative Strafe, sondern ein Strafverfahren mit möglichen Geldstrafen, Führerscheinentzug oder sogar Freiheitsstrafen.

Die Moral von der Geschichte? Vergesst die Vorstellung, dass man beim Überholen kurzzeitig die Geschwindigkeit überschreiten darf. Die aktuelle Gesetzgebung verlangt, dass man nur dann überholt, wenn das vorausfahrende Fahrzeug langsam genug fährt, um es ohne Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit (90 km/h oder 80 km/h, je nach Straßenverhältnissen) zu überholen. Eine Umstellung der Fahrweise, die sich für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer lohnt.