Forster jagt gold – riesenslalom-lauf zerreißt das feld
Anna-Lena Forster prescht mit 1:15,12 Minuten durch 47 Tore und schickt eine Botschaft: Die Monoski-Queen ist bereit, ihre Goldsammlung zu erweitern. Die 30-Jährige aus Radolfzell liegt nach Lauf eins des Riesenslaloms in Cortina vorn – und das, obwohl ihre härteste Konkurrentin schon auf der Strecke liegen blieb.
Seco fliegt raus – forster bleibt cool
Die Sensation passiert bei Kilometer 1,3: Audrey Pascual Seco, Spanens Gold-Doppelpackerin aus Super-G und Kombination, rutscht ab, zertrümmert ein Tor, ist raus. Sekundenbruchteil später donnert Forster mit 65 km/h auf dieselbe Kante – und spielt die Kurve perfekt. Resultat: 0,54 Sekunden Vorsprung auf Momoka Muraoka, die Japanerin, die erst vor Tagen nach ihrem Schlüsselbeinbruch zurückkehrte. Dahinter folgt Chinas Sitong Liu (+1,26 s), doch die Entscheidung dürfte ein Duell werden: Forster gegen Muraoka, Kopf-an-Kopf auf 1.200 Höhenmeter.
Die Fakten sind hart: Forster trägt bereits fünf Paralympics-Medaillen, elf Weltmeisterschafts-Podeste und den Gesamtweltcup. Sollte sie morgen im zweiten Lauf durchkommt, winkt ihr zwölftes Edelmetall – und Deutschlands zweiter Triumph in Cortina. Aktuell liegt das DSV-Team nur auf Rang 13 im Medaillenspiegel, ein Schlag ins Kontor für einen Verband, der sonnige Höhenlagen gewohnt ist.

Die stunde der wahrheit kommt am vormittag
Um 10:30 Uhr Ortszeit geht’s in die Finale-Abfahrt. Die Piste „Olympia delle Tofane“ präsentiert sich ruppig, nach minus 12 Grad in der Nacht sind die Kanten scharf wie Rasierklingen. „Wenn Anna-Lena die erste Zwischenzeit überlebt, ist sie weg“, sagte Bundestrainer Jürgen Egger vor dem Rennen. Gemeint: Nach der Steilkurve bei Tor 29 beginnt ihr Revier. Dort hat sie in der Weltcup-Saison 2025/26 bereits fünf von sechs Läufen dominiert.
Doch Muraoka ist keine Nebenbuhlerin vom Schlage einer Fahrerin, die sich mit Bronze begnügt. Die 26-Jährige fuhr in Peking Gold, gewann vier Weltcupslalom vor Forster und schickte schon beim Training in Cortina Warnsignale: 0,3 Sekunden schneller als die deutsche Zeitmessung. „Sie ist wieder bei 100 Prozent“, sagte ihre Trainerin gestern. Eine Kampfansage.
Die Spannung steigt – und mit ihr die Frage, ob Forster ihre Paralympics-Karriere mit einem Doppelpack krönt. Denn klar ist: Nach Cortina wird sie vorerst pausieren. „Ich brauche Zeit für meine Familie, vielleicht ein Baby“, sagte sie im Januar. Die Uhr tickt, die Piste wartet. Deutschland schaut hin – und hofft auf Gold Nummer zwei.
