Moratti packt aus: napoli-kaufangebot lehnte ich ab, italiens krise ist hausgemacht

Massimo Moratti liest dem italienischen Klubfußball die Leviten. Im Gespräch mit Radio Kiss Kiss Napoli warf der Ex-Präsident des FC Inter der Liga am Mittwochabend ein 16-jähriges Versagen vor – und enthüllte, dass man ihm einst den SSC Napoli zum Kauf anbot.

„Wir haben systematisch versagt“

Die Zahlen sind hart: Seit 2010 holte keine italienische Mannschaft mehr die Champions League, in der UEFA-Fünfjahreswertung liegt die Serie A nur noch auf Rang vier. Moratti sieht darin kein Pech, sondern eine strukturelle Fehlplanung. „Evidenterweise haben unsere Verantwortlichen in den vergangenen 16 Jahren etwas falsch gemacht“, sagte der 77-Jährige. „Sonst stünden wir nicht da, wo wir jetzt stehen.“

Den Beweis liefert er gleich mit: Finale-Klatschen wie 2020 gegen Bayern, Juves wiederholte Finalniederlagen, dieses Frühjahr droht erstmals seit 2014 das Ausscheiden aller drei Klubs vor dem Viertelfinale. „Wir haben teilweise ganz gut mitgespielt, aber eben nur mitgespielt“, so Moratti. „Nie wieder mitbestimmt.“

Napoli-angebot aus respekt abgelehnt

Napoli-angebot aus respekt abgelehnt

Den emotionalsten Moment der Live-Sendung lieferte der Inter-Legende, als er zu den Wurzeln des Partenopei zurückblätterte: „Als der Verein in finanziellen Schwierigkeiten steckte, kam das Angebot, den Napoli zu kaufen. Ich lehnte ab – aus Respekt vor der Stadt und den Menschen. Ich wollte, dass jemand das Ruder übernimmt, der wirklich zu Neapel gehört.“

Stattdessen übernahm Filmproduzent Aurelio De Laurentiis 2004 die Kontrolle und führte den Klub zurück in die Spur. Moratti: „Es war die richtige Entscheidung für beide Seiten. Mein Herz schlägt ohnehin schwarz-blau.“

Inter auf scudetto-kurs – wenn die angst nicht dazwischenkommt

Inter auf scudetto-kurs – wenn die angst nicht dazwischenkommt

Zur Meisterschaftssaison seines Ex-Klubs meint Moratti nüchtern: „Aktuell ist der Vorsprung groß genug. Aber wenn Inter beginnt, sich zu fürchten, wird es eng.“ Gemeint sind die nächsten Wochen mit Doppelbelastung, mögliche Verletzungspech und die mentale Last, nach drei Jahren wieder ganz oben zu stehen. „Angst ist der schärfste Gegner, nicht Milan oder Juve“, sagt er und lacht schließlich: „Solange Simone Inzaghi seine Jungs auf dem Boden hält, sehe ich keinen Stolperstein.“

Die Botschaft des langjährigen Präsidenten klingt unmissverständlich: Italien muss endlich investieren, nicht lamentieren. Sonst bleibt die Serie A auf Rang vier – und das Viertelfinale ohne italienische Beteiligung wird zur Normalität.