Eintracht dreht die saison: frankfurt entzaubert freiburg und glaubt wieder an europa
Die SGE schlägt den Sport-Club 2:0, springt auf Rang sieben und lässt die Arena erbeben – neue Taktik, alte Leidenschaft, frische Punkte.
Chaibi trifft, koch lenkt, hellmann schwört: der große umschwung
Ein einziger Pass von Fares Chaibi genügte, um den alten Narrativ zu zerreißen. Der Algerier nutzte die 67. Minute, um den Ball per Außenrist ins lange Eck zu dreschen – 3:0 hätte es heißen münnen, wäre Igor Matanovic nicht kurz vorher am Pfosten gescheitert. Die Kurve rastete aus, Freiburg kassierte den Knock-out und Eintracht Frankfurt kehrte in die Spur zurück, die sie vor Weihnachten verloren zu haben schien.
Robin Koch atmete tief durch. „Wir haben heute gesehen, was der Trainer uns aufdrillt: Laufwege, Pressing-Timer, Positionswechsel im Zentrum“, sagte der Verteidiger und wischte sich die Schweißperlen aus der Stirn. Die Zahlen sprechen für sich: 58 % Ballbesitz, 17:6 Torschüsse, null Gegentor in drei der letzten vier Partien. Statistiker wissen, wann eine Defensive erwacht – wenn sie plötzlich die eigene Hälfte zur Staffel macht.
Markus Krösche pflichtet ihm bei, doch der Sportvorstand warnt. „Wir kommen aus Zeiten, in denen es vogelwild war“, sagt er und meint damit die Phase nach dem Pokalaus und der Verletzungsmisere. Die Lösung: ein Kader mit Doppelfunktion. Nathaniel Brown, 21, eingewechselt, sofort zwei Key-Passes. Chaibi, Bankdrücker gegen Union, nun Matchwinner. „Breite statt Stars“ lautet die Devise, und sie funktioniert, weil Albert Brüllmann – seit 36 Tagen Chef – jedem Akteur ein klares Profil mitgibt.

Hellmann zieht die kampflinie: europa statt mittelmaß
Vorstand Axel Hellmann legt nach. „Niemand glaube, wir hätten diese Saison abgehakt“, donnert er in die Mikrofone von DAZN. Dahinter steckt mehr als ein Sieg gegen den direkten Konkurrenten. Es geht um die 35 Millionen Euro, die der Verein durch die Gruppenphase der Conference League kassierte, um den Druck der Anleger, um die Glaubwürdigkeit nach dem Trennungstempo mit Glasner und Co. Frankfurt kann am 34. Spieltag noch acht Punkte auf Rang vier gutmachen – laut Opta kein Ding der Unmöglichkeit, wenn die Formkurve so steil bleibt.
Die Fans spüren es. 49.800 schwenkten Schals, skandierten „Europacup ist unser Ziel“ und vergaßen für 90 Minuten die Preiserhöhung beim Bier. Jonathan Burkardt, erst im Winter aus Mainz dazugestiegen, erntet Applaus, weil er zurücksteckt: „Alleine gewinnt man die Spiele nicht.“ Es klingt wie ein Versprechen auf Kollektivkraft.
Freiburg dagegen bleibt mit leeren Händen zurück. Julian Schuster bohrt die Message ein: „Wir hätten ihnen richtig weh tun können.“ Die Statistik bestätigt: 0,9 xG in Halbzeit eins, doch nur Matanovic’ Pfostenschuss als Highlights. Es ist das alte Freiburger Dilemma: viel Spiel, wenig Killer. Ohne die verletzten Offensivkräfte Grifo und Doan fehlt der letzte Punch – und damit der Abstand zu den Europaplatzen schrumpft auf drei Zähler.
Am Millerntor wartet schon der nächste Prüfstein. Für Frankfurt ist die Reise nach Stuttgart kein Endspiel, sondern ein Aufschlag. „Wir haben einen anderen Zug“, sagt Hellmann. Die Richtung ist klar: nach Europa, und zwar ohne Umweg über die Relegation. Die Arena glaubt wieder – und das ist in dieser Saison die halbe Miete.
