Freiburg steht vor dem größten spiel seiner geschichte – europa-league-traum lebt

Der SC Freiburg hat sich selbst ins Halbfinale der Europa League geschossen – und jetzt steht die Rückspiel-Fever gegen Sporting Braga an. 34.700 Menschen im Europa-Park-Stadion, Tausende in den Kneipen, ein ganzes Schwarzwald-Städtchen atmet nur noch in 90-Minuten-Takt. Die Mission: ein 1:2 aus Portugal kassieren und trotzdem nach Istanbul düsen.

Atmosphäre kocht: freiburg ist längst ausverkauft – und die kneipen auch

Wer dachte, nur das Stadion sei voll, kennt Freiburg nicht. Im „Kaiser“ musste man um 15 Uhr schon Plätze reservieren, sonst saß man draußen. Greta, 22, sagt es so: „Auf der Nerven-Skala bin ich bei zwölf.“ Ihre Freunde nicken, alle in Weiß, alle mit Flugtickets nach Istanbul – gebucht, bevor der Schiedsrichter auch nur pfeift. Die Stadt ist ein einziges Zittern.

Die Portugiesen haben sich ihren Teil gesichert. Hunderttanzende auf dem Münsterplatz, Samba-Rhythmen gegen den Kaiserstuhl. Braga-Fans, laut, fröhlich, friedlich. Ein Kontrastprogramm zur deutschen Kontrolliertheit. „Wir haben keine Angst“, ruft ein Fan mit grün-weißer Schärpe. „Wir haben Ricardo Horta.“

Schuster setzt auf kübler und höfler – druck ist längst egal

Schuster setzt auf kübler und höfler – druck ist längst egal

Julian Schuster rotiert seine Startelf nur minimal. Kübler ersetzt den gesperrten Suzuki, Höfler rückt für Makenco – mehr nicht. Der Rest bleibt, weil der Rest funktioniert. Ginter und Lienhart sollen Dorgeles und Pau Victor in den Taschen behalten, Eggestein und Höfler kappen die Zuspielwege zu Moutinho. Vorne muss Grifo den Zauberstab schwingen, Matanovic den Rückstand austilgen.

Die Statistik? Makaber. Freiburg gewann nur zweimal in dieser Saison ein Rückspiel nach einem Auswärtsniederlage. Aber: Beide Male gegen portugiesische Teams. Die Torschützen vom 1:2 – Ricardo Horta und Dorgeles – stehen wieder in der Startformation. Schuster warnt: „Wir brauchen Geduld, aber keine Angst.“

Massa pfeift – italiener mit 100 internationalen spielen im gepäck

Massa pfeift – italiener mit 100 internationalen spielen im gepäck

Das UEFA-Komitee vertraut dem erfahrensten Italo-Referee der Saison: Davide Massa. Seit 2014 auf der FIFA-Liste, 104 internationale Einsätze, Champions-League-Viertelfinale, WM-Quali, Nations League – er kennt Druck. Freiburg kennt ihn auch: Beim 3-0 gegen Olympiakos 2023 ließ er zwei Elfmeter gelten. Die Fans hoffen auf eine Wiederholung, diesmal ohne VAR-Intervention.

Anstoß 21:00, Temperatur 16 Grad, leichter Wind aus Richtung Basel. Perfektes Fußballwetter. Perfektes Drama-Wetter.

Die stunde der wahrheit: ein tor reicht nicht, zwei könnten reichen

Die stunde der wahrheit: ein tor reicht nicht, zwei könnten reichen

Ein 1:0 führt in die Verlängerung, ein 2:0 direkt ins Finale. Alles andere bedeutet: Aus. Christian Streichs Erbe, Julian Schusters Debüt-Saison, möglicherweise Vincenzo Grifos letzter großer Auftritt in Schwarz-Weiß – all das steht auf einem einzigen Rasenstück. Die Fans singen schon jetzt „Istanbul ist überall“, die Stewardnessen haben Tränen in den Augen.

90 Minuten trennen Freiburg vom größten Tag der Klubgeschichte. Die Stadt ist bereit, das Stadion ist bereit, die Spieler müssen es nur noch sein. Um 22:45 wissen wir, ob der Traum lebt – oder ob Braga die nächste portugiesische Party feiert. Die Uhr tickt. Das Herz auch.