Barry hawkins schlägt wieder zu: der leise gigant holt sich die welsh open
Er kam mit Rückenschmerzen, ging mit 150.000 Pfund und seinem fünften Ranglistentitel. Barry Hawkins, 46, hat in Llandudno erneht bewiesen, warum ihn die Pros fürchten und die Medien ignorieren: 9:5 gegen Jack Lisowski, keine große Klappe, nur gnadenlos präzises Snooker.
Kein lautsprecher, aber ein lauterer
Die Story wiederholt sich seit Jahren. Montag morgen steht er in der Setzliste, niemand tippt ihn. Sonntag abend trägt er den Pokal. Gegen Lisowski nutzte er die erste Schwächephase des Gegners, nachdem dieser im dritten Frame Schwarz versetzt hatte – ein Fehler, der 8.000 Pfund kostete, denn genau diese Achtungspunkte später entschieden das Match.
Hawkins selbst spürt die Verletzung nur noch beim Aufwachen. „Wenn die Kugeln rollen, schaltet der Körper auf Autopilot“, sagte er nach dem letzten Frame. Der Muskelriss aus dem Fitnessstudio war kaum Thema, weil er in der Praxis ohnehin nur 30 Prozent seiner Trainingszeit mit Kraft verbringt. Der Rest ist Routine: Bande, Spin, Safety – die Dinge, die TV-Kameras nicht feiern.
Respekt statt reichweite
Neil Robertson und Mark Williams, beide ausgeschaltet im Viertel- und Halbfinale, wissen, wie sein Temposchach funktioniert: Hawkins reduziert das Spiel auf Prozentrechnung. Er spielt den Ball, der 70 Prozent Sicherheit bringt, nicht den 90-Prozent-Trick, der auch 30 Prozent Risiko trägt. Diese Philosophie macht ihn unattraktiv für Highlight-Clips, aber unschlagbar in Best-of-17.
Lisowski dagegen lebt von Adrenalin. Das Halbfinale gegen John Higgins war sein emotionaler Peak: 6:5, 146.000 Pfund für die Home-Nations-Gesamtwertung, danach 24 Stunden kaum Schlaf. Im Finale kam er erst zur zweiten Session auf, da lag er schon mit 2:6 hinten. Die Aufholjagd endete bei 5:8, weil Hawkins einfach weiterspielte, als wäre nichts gewesen.
Die zahl, die alles erklärt
Fünf Titel klingen nach Mittelmaß, doch nur zehn Spieler der Welt sind häufiger im Winner’s Circle. Hawkins’ Quote: 28 Endspiele, fünf Siege – 18 Prozent. Klingt schlecht? Vergleichsweise: Ding Junhui steht bei 15 Prozent, Shaun Murphy bei 19. Er gewinnt selten, aber er kommt immer wieder hin.
Die Weltrangliste belohnt Konstanz. Nach Llandudno springt Hawkins von Platz 19 auf 12 und sichert sich einen garantierten Startplatz für die Champion of Champions-Turniere der nächsten beiden Jahre. Für einen Spieler, der 1996 Profi wurde und 2005 fast wieder verschwand, ist das ein stiller Sieg über die Zeit.
Der nächste Gigant, der auf ihn wartet, heißt Ronnie O’Sullivan. Die beiden könnten im Achtelfinale der Players Championship aufeinandertreffen. Hawkins schlägt sich gerne mit den Besten, nur reden will er darüber nicht. „Ich lasse die Queue sprechen“, sagt er und meint es wörtlich: Keine Social-Media-Posts, keine Headlines, nur Kugeln, die ins Eckloch rollen.
Die Botschaft ist klar: Wenn das Turnier beginnt, ist Barry Hawkins der leiseste aller Favoriten. Und manchmal reicht eben das.
