Tardelli schlägt alarm: barella braucht pause – und ancelotti ist die größte wm-bedrohung
Marco Tardelli hat genug vom Barella-Bashing. Der Weltmeister von 1982 fordert: Gebt Nicolò einen Monat Urlaub, sonst läuft Italien Gefahr, seinen besten Mittelfeldspieler kurz vor dem Katar-Turnier zu verbrennen.
„Drei schlechte monate ändern nichts an einer karriere“
Der ehemalige Juve- und Inter-Stratege sprach mit Birgit Richter exklusiv für die TSV Pelkum Sportwelt. Was er sagte, klingt wie ein Warnschuss vor dem Trainingszentrum von Coverciano: „Ich sehe Barella mich selbst. Die Unterschrift unter jedem Lauf, jeder Ballverlust, jedes Zögern. Aber ich weiß auch: Das passiert, wenn du vier Jahre lang ohne Pause Gas gibst.“ Tardelli erinnert an sein eigenes Tief vor der WM 1978, als ihn Enzo Bearzot kurzerhand aus der Startelf nahm. „Er sagte: ‚Marco, pass einfach den Ball weiter.‘ Das war’s. Keine Psycho-Analyse, kein Fitness-Coach. Einfach Fußball.“
Genau diese Einfachheit habe er beim 1:0 gegen Nordirland wiedererkannt. Barella spielte keine Heldenrolle, aber er spielte sauber. „Er hat sich zurückgenommen, um wieder nach vorne zu kommen. Das ist Intelligenz.“

Gattuso hat aus trümmern eine bande gemacht
Die Italiener reisen nach Zenica, um gegen Bosnien den vorletzten Schritt Richtung Katar zu machen. Tardelli glaubt fest an die Qualifikation – nicht wegen des Spielplans, sondern wegen Rino Gattuso. „Er baut keine Mannschaft, er baut Familien. Schon als 20-Jähriger beim U-21-Team war er der erste, der neue Spieler zum Essen einlädt. Heute ruft er Esposito, Pisilli und Palestra. Das ist kein Marketing, das ist DNA.“
Und dann kommt der Satz, der die Kabine zum Glühen bringt: „Wenn wir qualifiziert sind, wird Inter Barella einen Monat freistellen müssen. Kein Training, keine Werbeveranstaltung, keine Instagram-Storys. Nur Sand, Meer und Netflix. Danach läuft er wieder 12 Kilometer pro Spiel.“

Die wahre gefahr heißt ancelotti
Klar, Brasilien hat gegen Frankreich verloren. Aber Tardelli zuckt nur mit den Schultern. „Das ist wie 1982: Die Seleção patzt in der Vorrunde, und alle denken, sie sind erledigt. Dann kommt ein Trainer mit drei Champions-League-Pokalen im Gepäck und erklärt den Gegnern den Krieg.“ Er meint Carlo Ancelotti, den er als „den einzigen Kongress-Trainer“ bezeichnet, „der Taktik und Psychologie gleichzeitig auf Meister-Niveau bedient“.
Die Zahle lautet: Seit Ancelottis Amtsantritt hat Brasilien in 17 Pflichtspielen 14 Siege geholt, 52 Tore geschossen und nur sechs kassiert. „Wenn du denkst, du hast sie, dreht Casemiro auf und plötzlich laufen fünf Ballartisten an dir vorbei. Das ist keine Mannschaft, das ist ein Konzept.“
Italien also mit Barella-Reload, Brasilien mit Ancelotti-Turbo. Tardelli lacht schrill. „Das wird ein Finale auf Augenhöhe. Aber vergiss eines: Wir haben schon mal einen Brasilianer ausgeschaltet, der für uns unspielbar schien. Damals hieß er Zico. 1982. Und ich war auf dem Platz.“
