Vermeersch zieht gegen van der poel den kopf aus der schlinge

Florian Vermeersch schlägt nicht mehr nur auf, er schlägt zurück. Nach dem Omloop Het Nieuwsblad, wo ihn eine klemmende Schaltung auf den dritten Platz verweisen ließ, sagt der 26-jährige Belgier laut und deutlich: „Ich weiß, dass ich Mathieu van der Poel schlagen kann – und ich werde es tun.“

Der molenberg wurde zur bühne

Am Fuß des Molenberg legte Vermeersch das Tempo auf 410 Watt, nur zwei Fahrer konnten folgen: van der Poel und Tim van Dijke. Die Dreiergruppe jagte durch die flandrische Wand, bis an der Mauer von Geraardsbergen der Weltmeister wegzog. Da klemmte bei Vermeersch die elektronische Schaltung – ein Zittern, ein Ruck, und die Lücke war zehn Meter. „In diesem Moment habe ich meine Chance verloren, nicht meinen Willen“, sagt er.

Die Mechaniker von UAE Team Emirates bestätigen: Der Schaltmotor war vermutlich durch Salzwasser korrodiert, ein bekanntes Risiko bei Matschklassikern. Die Folge: statt um den Sieg kämpfte Vermeersch um Podiumskreise. Er holte sie, mit 43 Sekunden Rückstand auf van der Poel, aber mit der Gewissheit, der Niederlage eine Drohung beigemischt zu haben.

Roubaix 2021 war kein zufall

Roubaix 2021 war kein zufall

Wer jetzt glaubt, Vermeersch würde sich mit dem dritten Platz begnügen, versteht nichts über die DNA eines Klassikerfahrers. 2021 fuhr er im Velodrom von Roubaix vor van der Poel auf Platz zwei – damals noch als Neo-Profi. Seitdem hat sich die Balance der Kräfte verschoben: van der Poel gewann fünf Monuments, Vermeersch baute sich in der Wüste der UAE-Trainingslager eine Diesel-Maschine, die 2026 ihre finale Reife erreicht. „Mathieu kann einen schlechten Tag haben – und ich einen guten“, sagt er mit der Ruhe eines Mannes, der weiß, dass die Saison noch 21 Klassiker umfasst.

Die Daten sprechen für ihn: Im Februar-Test in Sierra Nevada steigerte Vermeersch seine funktionelle Schwelle auf 420 Watt bei 70 kg Körpergewicht, das entspricht 6 W/kg – ein Wert, der früher nur Spitzenkletterer vorbehalten war. Sein Sprint wurde nicht schneller, seine Dauerausgabe länger. Genau das aber zählt an den Kopfsteinpflasterwochenenden.

Die kalenderpistole ist geladen

Die kalenderpistole ist geladen

Bis Ende März treffen die beiden noch dreimal aufeinander: Mailand-Sanremo, E3 Saxo Classic, Gent-Wevelgem – ein Triple, das Vermeersch als „meine persönliche Playoffs“ bezeichnet. In Sanremo will er mit einem Angriff auf dem Poggio nach 280 km den Turbo ziehen, bei der E3 auf der Taaienberg das Feld zerfetzen. „Ich brauche keinen Plan B. Plan A muss nur perfekt laufen.“

Van der Poel selbst schickt bereits Warnschüsse: „Wenn Florian nicht attackiert, wird er nicht auf dem Podium stehen. Das vergessen alle.“ Es klingt wie ein Kompliment, ist aber auch die Erkenntnis eines Mannes, der spürt, dass der Jäger näher kommt.

Die flandrische Presse nennt Vermeersch bereits „den neuen Boonen ohne Bierlache“. Die Fans in Balen haben ein Banner gehisst: „Flo trifft, Flo siegt“. Und in den WhatsApp-Gruppen der Radsport-Insider kursiert seit gestern ein Foto: Es zeigt van der Poel und Vermeersch nach der Zielankunft, verschwitzt, verschmiert – und mit einem Handschlag, der mehr Respekt als Sympathie ausdrückt. Bald wird einer von beiden den anderen grüßen müssen – aus dem Sattel heraus.