Spanien sagt adiós – und fliegt mit acht debütanten in die wm
Die rote Fahne weht heute Abend zum letzten Mal über Spanien. Um 22.30 Uhr startet die Iberer-Armee vom Flughafen Rosalía de Castro, Kurs Chattanooga – und ein letztes Aufgebot von jungen Wilden will sich vorher in Riazor in die Geschichtsbücher schreiben.
Ein rasen voller geheimnisse
Noch vor drei Tagen war alles offen. Die Bilder vom Sonntag zeigten ein Schlachtfeld: Depor-Fans stürmten nach dem Aufstieg den Platz, rissen Grashalme wie Souvenirs aus dem Boden. Alarmstufe Rot. De la Fuente schwankte, ob er das Spiel lieber in Amerika austragen sollte. Dann kam die Rettung: 48 Stunden Nonstop-Arbeit von Deportivo und RFEF, ein Rasen wie frisch geboren. Irak wartet trotzdem – und weiß, dass Spanien sich heimlich verabschiedet.
Das Duell hat Geschichte. 2009 kratzte David Villa die Löwen von Mesopotamia mit einem 1:0 nieder, damals in der Confed-Cup-Vorrunde. Sechzehn Jahre später rollt der Ball erneut, doch diesmal steht nicht der Erfolg im Vordergrund, sondern das Erbe.

Die acht gesichter von morgen
Marc Pubill darf endlich ran, nachdem ihn ein Muskelfaserriss im März stoppte. Leo Román, Javi Rodríguez, Jon Martín – Namen, die heute Abend erstmals die Hymne hören. Sieben Kandidaten, allesamt aus der „Unterstützungstruppe“, stehen auf Abruf. Keiner von ihnen wird lange träumen können:Nach dem Abpfiff beginnt für sie der wohlverdiente Urlaub, während die 26 Nominierten weiterfliegen.
Die Rekordmarke steht bei 16 Debütanten – 12. Oktober 2021 gegen Litauen, jene kuriose Partie nach der Corona-Krise. Damals führte Cucurella das B-Team als Kapitän, Brahim dribbelte sich in die Herzen. Heute könnte die Elf von De la Fuente den alten Rekord fast einholen, wären nicht ein paar Superstars geschont: Lamine Yamal, Nico Williams und Fabián sitzen draußen, Yamal macht erst am 15. Juni wieder mit.

Adiós, riazor – hallo, weltmeistertraum
21.35 Uhr Ortszeit, 36.000 Zuschauer, eine letzte Choreo vor der großen Reise. Der Trainer hat klargestellt: „Wer heute spielt, trägt das Trikot mit Stolz, auch wenn es nur 90 Minuten sind.“ Danach hebt die Maschine ab, Richtung Tennessee. Die Spanier nehmen nicht nur Koffer mit – sondern auch acht frische Geschichten, die in Chattanooga fortgeschrieben werden könnten.
Der Rasen ist gerettet, die Nerven blank. Was bleibt, ist das Bild von acht jungen Männern, die vor 36.000 Menschen ihren Kindheitstraum leben. Einer von ihnen wird heute Abend der 1.214. Spieler der Geschichte sein. Und vielleicht der erste, der nach der WM als Held zurückkehrt.
