Spalletti zerrt an der tor-seilbahn: di gregorio oder perin – wer hält juve in der krise?

Im Trainingszentrum von Juventus Turin tickt eine neue Uhr. Nicht die, die die Champions-League-Viertelstunden misst, sondern jene, die zwischen Michele Di Gregorio und Mattia Perin hin- und herpendelt. Drei Spiele hat Perin hintereinander gemacht, drei Male blieb das Netz sauber. Doch der ehemalige Monza-Keeper wartet hinter ihm, Atem im Nacken, Handschuhe bereits warm.

Der zwiespalt in spallettis kopf

Luciano Spalletti redet in der Pressekonferenz von „Ruhe“ und „Vertrauen“, doch im Oval von Continassa läuft ein internes Protokoll auf Hochtouren. Di Gregorio, bis Februar gesetzt, kassierte in sieben Partien 14 Gegentore, zwei davon direkt vor der Winterpause gegen Parma und Benfica. Die Zahlen sind kein Totschlagargument, aber sie reichen, um Spalletti die Stopp-Uhr in die Hand zu drücken.

Perin hingegen liefert das, was Spalletti in seiner Nazionale-Zeit schätzte: kurze Wege, laute Abwehrkommandos, eine Prise Irritation im gegnerischen Sechzehner. Gegen Lille, Bologna und Stuttgart hielt er einen Elfmeter, zwei Großchancen und die Moral der Mannschaft. Die Frage ist nur: wie lange hält eine Phase, bevor sie zur Entscheidung wird?

Die angst vor dem einschneideeffekt

Die angst vor dem einschneideeffekt

Intern sprechen Mitarbeiter von „Sekunden statt Tagen“. Di Gregorio trainiert mit der B-Gruppe, bekommt aber zusätzliche Videoeinheiten mit Torwartcoach Claudio Filippi. Perin erhält vor jedem Spiel eine extra Ansprache durch Spalletti, fast schon ein Ritual. Wer jetzt gewechselt wird, riskiert, die andere Option zu verbrennen – bis zur Saisonende keine way back.

Das Dilemma: Wechselt Spalletti zurück, erklärt er Perins Leistung zur Episode. Bleibt er bei Perin, schickt er einen 26-jährigen Nationaltorhüter in den mentalen Keller. Die Kabine beobachtet schweigend. Federico Chiesa soll bei einem englischen Topklub angefragt haben, ob „dieser Ständewechsel“ ein Zeichen für den Gesamtumbau sei. Spalletti lächelt, wenn er solche Fragen hört. Dabei weiß er: der erste Fehler nach der Entscheidung wird ihm zugerechnet.

Die stunde der wahrheit naht

Die stunde der wahrheit naht

Am Samstag gastiert Atalanta, drei Tage später Liverpool. Achtmal schossen die Bergamoer in der letzten Viertelstunde. Gegen Stuttgart kam Perin gerade noch an zwei Ecken heran. Spalletti wird sich morgen früh entscheiden, sagt er, „nach dem letzten Sprint-Test“. Di Gregorio hat 72 Stunden, um die Oxidationswerte zu unterbieten. Perin muss nur noch ruhig atmen.

Die Statistik? In den letzten zehn Jahren wechselte Juve viermal den Stammkeeper innerhalb einer Saison – kein einziges Mal wurde danach die Champions League gewonnen. Die Botschaft ist klar: wer jetzt wackelt, verliert nicht nur das Tor, sondern vielleicht die ganze Saison. Spalletti wird sich entscheiden. Und dann wird er die Entscheidung erklären – mit der Stimme eines Mannes, der schon einmal WM-Kader rausgeworfen hat.