Neuer-drama kurz vor atalanta: bayern bangt um den topfavoriten

Zwei Mal 45 Minuten – das war’s für Manuel Neuer. Die Halbzeit-Szene im Allianz Arena-Tunnel wiederholt sich wie ein Déjà-vu: erneut stapft der Bayern-Kapitän mit hängender Schulter Richtung Kabine, erneut bleibt die Frage offen, wie lange er diesmal ausfällt. Die Antwort folgt postwendend in Vincent Kompanies Stimme: „Er spürt etwas an der Wade.“ Eine knappe Feststellung, die den Rekordmeister kurz vor dem Achtelfinal-Kracher in Bergamo in Alarm versetzt.

Die vorgeschichte nagt an den nerven

Erst am Freitag hatte Neuer sein Comeback gefeiert – drei Wochen nach dem Muskelfaserriss, der ihn gegen Bremen in dieselbe Halbzeit-Pause verbannte. Die medizinische Abteilung hatte damals von einer Vorsichtsmaßnahme gesprochen, zwei Später folgte der Offenbarungseid: Faserriss, Ausfall. Nun also die nächste Wiederholung. Jonas Urbig stand bereit, wie schon damals. Die Parallelen sind erschreckend.

Die Uhr tickt. Am Mittwoch fliegt die Mannschaft nach Italien, und Atalantas Sturm um Lookman und Scamacca wartet auf jeden Millimeter Platz zwischen den Pfosten. Ohne Neuer wird diese Lücke größer. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In den letzten fünf Pflichtspielen mit Neuer kassierte Bayern 0,6 Tore pro Partie – ohne ihn stieg der Wert auf 1,3.

Kane schlurft mit – oder auch nicht

Kane schlurft mit – oder auch nicht

Doch der Torhüger ist nicht das einzige Fragezeichen. Harry Kane fehlte gegen Gladbach nach einem Schlag auf die Wade. Kompany versuchte es mit Optimismus: „Hoffentlich schafft er das.“ Die Körpersprache des Engländers in der Kabine nach Schlusspfiff wirkte laut Trainer „gut und motiviert“. Motiviert reicht aber nicht, wenn die Schwellung nicht zurückgeht. Ein Kane-Einsatz wäre das zweite Wunder in dieser Woche.

Die Alternativen? Mathys Tel und Serge Gnabry lauern auf ihre Chance. Doch keiner von ihnen verfügt über Kanes Kombination aus Abschluss, Raumöffnung und Pressing-Intelligenz. Verliert Bayern beide Leitfiguren, droht eine Startelf, die Atalanta-Coach Gian Piero Gasperini mit den Händen zusammenklatscht.

Die atmosphäre kocht – und der verein schweigt vorerst

Die atmosphäre kocht – und der verein schweigt vorerst

In Bergamo haben die Ultras bereits ihre Choreo angekündigt: ein riesiges Auge über dem Nordkurven-Schriftzug „Wir sehen euch“. Gemeint ist auch der Blick auf Bayuns Achillesverse. Die Italienische Presse titelt schon „Porta aperta“ – Tor offen. Die Fans wissen: Ohne Neuer wird die Luft dünner.

Am Dienstag steht die entscheidende MRT-Untersuchung an. Das Ergebnis bestimmt, ob der 38-Jährige am Mittwoch sein 151. Champions-League-Spiel bestreitet – oder ob Urbig mit 21 Jahren sein Debakel oder seinen Durchbruch erlebt. Die Entscheidung fällt in Millimetern eines Fasers. Und sie fällt spät. Sehr spät.

Bayern bangt. Die Kurve zittert. Die Europäische Bühne wartet darauf, ob der Rekordmeister mit oder ohne seine letzte Konstante auftritt. In diesen Stunden zählt nur eins: die Ruhe vor dem Sturm – oder eben der Sturm ohne den letzten Ruhepol.