Lopetegui: „qatar ohne angst! wir sind aus der hölle gekommen“

Madrid – Julen Lopetegui, der Mann, der schon so einige Achterbahnfahrten in seiner Trainerkarriere erlebt hat, blickt voller Zuversicht, wenn auch mit einem Augenzwinkern, auf die bevorstehende Weltmeisterschaft mit Katar. Seine Worte, gesprochen in einer exklusiven Interview-Szene, lassen auf eine unerschütterliche Entschlossenheit schließen, die weit über die Erwartungen der Fußballwelt hinausgeht.

Die schatten der vergangenheit: vom triumph zum trauma

Lopeteguis Geschichte mit Weltmeisterschaften ist alles andere als geradlinig. Als dritter Torwart war er 1994 in den USA dabei, nur um acht Jahre später in Russland als Trainer der spanischen Nationalmannschaft auf dramatische Weise aus dem Rennen zu fliegen – nur zwei Tage vor dem ersten Spiel. Ein Schock, der ihn zwar mitnahm, ihn aber auch, wie er selbst betont, gestärkt hat. „Ich würde alles genauso wiederholen“, erklärt er mit einem Lächeln, das mehr als tausend Worte sagt. „Man muss nach vorne schauen.“

Ein unerwarteter weg: die herausforderung katar

Ein unerwarteter weg: die herausforderung katar

Heute steht er an der Seitenlinie des katarischen Nationalteams, einer Mannschaft, die auf dem Papier zu den schwächsten Teilnehmern gehört. Aber Lopetegui lässt sich nicht beirren. Er weiß, dass die Herausforderung groß ist: „Es sind nur 300.000 Kataris, und davon spielen vielleicht 10.000 Fußball. Viele unserer Jungs bekommen bei ihren Vereinen kaum Spielzeit.“ Dennoch hat er es geschafft, ein Team zu formen, das sich überraschend für die WM qualifiziert hat. Ein Team, das aus einer Mischung aus Talent und ungebrochenem Willen besteht.

Die Vorbereitung war alles andere als ideal. „Wir konnten unsere Testspiele im März und Mai nicht spielen“, erinnert sich Lopetegui. „Raketenangriffe… Es ist beängstigend, aber wir sind hier, um zu spielen.“ Er blieb in Doha, um seinen Spielern zur Seite zu stehen, und lernte, mit den Sirenen und den kurzen Warnungen zu leben. „Man gewöhnt sich daran, auch wenn man weiß, dass ein paar Kilometer weiter etwas Schlimmes passiert.“

Die bittere erinnerung an usa

Die bittere erinnerung an usa '94

Lopetegui lässt auch die Vergangenheit Revue passieren. Er erinnert sich an das Viertelfinale gegen Italien bei der WM 1994, ein Spiel, das von Kontroversen geprägt war: „Wir hätten gewinnen müssen! Wir waren eine physisch starke Mannschaft, wir waren auf dem Weg nach oben. Aber Italien hat uns mit einer gnadenlosen Taktik das Leben schwer gemacht. Luis Enriques Nase… das war ein Spiegelbild unserer Frustration.“

Eine neue chance: die wm als dankeschuld?

Eine neue chance: die wm als dankeschuld?

Lopetegui weist Behauptungen zurück, er schulde der WM etwas. „Der Fußball hat mir so viel gegeben, ich schulde ihm nichts.“ Für ihn ist die WM mit Katar eine „professionelle und persönliche Herausforderung“, eine Chance, „von Null anzufangen und eine sehr andere Kultur kennenzulernen.“

„Wir sind in einer komplizierten Gruppe“, so Lopetegui über die Aussichten im Turnier. „Die Schweiz kann eine Überraschung sein, Kanada ist die beste Mannschaft der CONCACAF-Zone, und Bosnien hat uns ja bereits ausgeschieden lassen. Aber wir kennen unsere Grenzen und werden versuchen, sie zu minimieren. Wir haben uns das Recht verdient, hier zu sein, und wir werden kämpfen.“

Die Fußballwelt hat sich seit 1994 verändert, räumt Lopetegui ein. „Damals waren wir in den USA fast unbekannt. Heute gibt es viele Fußballfans, die MLS hat Stars angezogen, und die Einwanderung hat die Leidenschaft für unseren Sport mitgebracht.“

Die Worte von Julen Lopetegui sind ein Appell an den Mut und die Entschlossenheit, die auch in scheinbar aussichtslosen Situationen zum Erfolg führen können. Sein Team, das aus einer Nation mit begrenzten Ressourcen und einer bewegten Geschichte besteht, wird in Katar nicht nur um Punkte, sondern auch um Anerkennung kämpfen – und das mit der unbändigen Kraft eines Mannes, der schon mehr als einmal vom Abgrund blickte und immer wieder aufstand.