Borja valero packt aus: von madrids kantera zu florenz' volksheld

Madrid – Florenz – Promozione: Drei Stationen, eine Seele. Borja Valero blickt zurück – und erzählt, warum er nach 18 Profijahren lieber in der fünften Liga kickt als auf Mallorca zu gammeln.

Die Nacht endet im Centro Storico Lebowski. Kein Flutlicht, nur ein paar alte Neonröhren, dafür 400 Leute, die Borja Valero wie einen Bürgermeister feiern. „Sindaco“ nennen sie ihn seit jenem Striscione in Sassuolo. Promozione statt Champions League – und er strahlt wie damals beim 4:2 gegen Juve.

Kindheit im nirgendwo

Valeros erster Ball war ein Geschenk aus Kistenpapier. „Keine Nachbarn, keine Freunde, nur ich und der Rasen hinter dem Haus“, sagt er. Mit sechs verpasste der Turnlehrer die Mutter: „Ihr Sohn hat Talent.“ Die Torrejon Athletic war die erste echte Grünfläche, die er je sah.

Real – wo träume zerbrechen

Real – wo träume zerbrechen

Mit elf landete er in der cantera, mit 20 stand er im Kader von Zidane, Raúl und Van Nistelrooy. Doch jedes Jahr dieselbe Tortur: die Auslese-Sitzung. „Du sitzt da, und einer liest Namen auf. Wer nicht genannt wird, packt Koffer. Ich habe Freunde weinen sehen.“ Er blieb, durfte aber nie im Bernabéu debütieren. Der Trost: ein Traumtor später für Mallorca im selben Stadion.

Florenz, die liebe seines lebens

Florenz, die liebe seines lebens

2012 rief Eduardo Maciá. Fenerbahçe lockte mit Champions League und Megagehalt. Valero entschied sich für die Fiorentina – damals Tabellenkandidat Nummer eins. „Das Projekt war verrückt, aber ehrlich. Und es hat mich verändert.“ 229 Pflichtspiele, 36 Tore, ein Volk, das ihn adoptierte.

Conte, inter und das experiment

Conte, inter und das experiment

Bei Inter wollte ihn Conte zunächst nicht. „Zu langsam, zu alt“, sagte der Coach. Valero ging zur Therapie, kämpfte sich zurück. „Ich antwortete ihm: ‚Ich mache Sie umstimmen.‘ Drei Wochen später stand ich in seinem Büro und er sagte: ‚Du hast recht behalten.‘“

Abschied auf dem dorfplatz

Abschied auf dem dorfplatz

Letzte Saison Lebowski, Kreisliga, Spieler-Coach und Balljunge in einem. Lohn: 400 Euro im Monat und ein Lächeln, das nicht einmal der Gewinn der Coppa Italia erreicht hätte. „Ich wollte Fußball ohne Kalkül. So wie damals, als ich hinter dem Ball herjagte, weil ich nichts anderes hatte.“

Heute trainiert Valero seinen Sohn Álvaro, 16, schlägt mit Tochter Lucia Golfbälle und kocht für Rocío, die ihre Reporter-Karriere für ihn pausierte. „Sie hat ihren Traum für mich zurückgestellt. Jetzt ist meine Zeit, ihr den ihren zu schenken.“ Kein Comeback, kein Glamour – nur ein Mann, der endlich wieder spielt, weil er es liebt.