Lennart karl: der 60-millionen-euro-wirbelwind, der ribéry ersetzt
Lennart Karl ist noch keine zwanzig Jahre alt und schon jetzt auf dem Weg, die Fußballwelt zu erobern. Nach dem 2:1 gegen Ghana sprach Deniz Undav Klartext: „Ein bisschen Ribéry-mäßig.“ Mit dieser Zeile schickt der Stuttgarter den Flügelspieler direkt in die Galerie der Bayern-Legenden.
Warum ausgerechnet jetzt alle von karl sprechen
Die Antwort liegt in den Zahlen. Zwölf Scorerpunkte in 34 Pflichtspielen, 1,68 Meter Körpergröße, 60 Millionen Euro Marktwert – und ein Lächeln, als hätte er noch gar nicht begriffen, dass er gerade die Champions League aufmischt. Vincent Kompany warf ihn ins kalte Wasser, Karl schwamm wie ein olympischer Sprinter.
Im Training gegen die Schweiz war es dieselbe Show: ein Antritt, ein Tunnel, ein Kopfschütteln des Gegners. Bundestrainer Julian Nagelsmann stellte sich hinter ihn und sagte nur: „Von all den jungen Spielern, die wir nominiert haben, hat er mit den besten Eindruck gemacht.“ Keine Floskel, sondern ein Machtwort. Wer so frisch und so demütig zugleich auftritt, bekommt ein WM-Ticket geschenkt, nicht verliehen.

Was ribéry in ihm sieht – und was noch fehlt
Die Parallele zum französischen Ex-Bayern-Star ist kein Medienzufall. Karl trägt dieselbe Rasenkrone, jene Mischung aus Trick und Tempo, die Abwehrreihen zerfetzt. Doch Ribéry hatte in der Vorrunde 2007 noch Mark van Bommel als Schutzschirm. Karl muss sich selbst schirmen. Undav lacht: „Ich muss noch hinkriegen, dass er ein bisschen lockerer wird abseits vom Platz.“ Dahinter steckt ein Kompliment: Der Junge trainiert, bis die Sohlen glühen, und geht dann lieber zurück ins Leistungszentrum als in die Münchner Barstraße.
Die 60 Millionen Euro sind kein Ziel, sondern eine Momentaufnahme. Sein Berater weiß: Jeder weitere Treffer in der Königsklasse addiert fünf Millionen drauf. Karl selbst schulterzuckt: „Ich schaue nur auf den nächsten Gegner.“ Diese Satz ist dieselbe DNA, die Messi und Ronaldo auszeichnete – und die Bayern seit Robben/Ribéry vermissen.
Wenn er in Katar steht, wird niemand mehr über fehlende Lockerheit sprechen. Dann zählt nur, ob er den Gegner auf dem linken Flügel so alt aussehen lässt wie Undav in seinem Alter. Die Antwort liegt in seinen Knochen – und in den Tribünen, die bereits seinen Namen skandieren. Eine Karriere, die gerade erst beginnt, hat längst das nächste Kapitel geöffnet: die WM als 18-Jährige. Wer das schafft, braucht keine Vergleiche mehr. Er wird selbst Maßstab.
