Daniel didavi übernimmt tsv harthausen: ex-bundesliga-star startet trainerkarriere im kreisliga-keller
Daniel Didavi, einst Zauberer im Stuttgarter Mittelfeld, steht ab Sommer an der Seitenlinie. Der 36-Jährige übernimmt den TSV Harthausen – und damit eine Mannschaft, die aktuell nur noch theoretisch aufstiegsrelevant ist.
Die Meldung kam am Montagvormittag, kurz nach dem Ende des Trainings. Für Michel Forzano, der seinen Rückzug angekündigt hatte, ist Didavi die „Wunschlösung“, wie der Verein schreibt. Für Didavi ist es die erste Cheftrainerstelle überhaupt.
Von bundesliga-tempo zu kreisliga-realität
184 Bundesliga-Spiele, 46 Tore, 19 Länderspiele – diese Zahlen folgen Didavi wie ein Schatten. Doch im Filderstal interessiert niemand mehr, wie er 2015 gegen Bayern den Ball durch die Schnürsenkel von Jerome Boateng pflanzte. Hier zählt nur, ob er einen Keller voller ehrgeiziger Hobbykicker diszipliniert bekommt.
Seit Sommer 2024 ist Didavi bereits spielender Co-Trainer, kam aber selbst nur neun Mal zum Einsatz. Zwei Tore stehen in der Statistik – harmlos gegenüber den 46 Bundesliga-Treffern, aber in Harthausen gilt: Wer tritt, der tritt. Die Frage ist nur, ob Didavi weiter aufläuft. Der Verein schweigt sich aus.
Die Liga ist entschieden: 16 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter VfB Neuffen, Saisonziel nur noch damage control. Didavi muss also nicht mehr gewinnen, sondern verhindern, dass der Abstieg zur Farce wird. Eine Aufgabe, die selbst für einen Ex-Nationalspieler neu ist.

Neue stimmen, alte kicker
Gemeinsam mit dem Klub bastelt Didavi gerade an seinem Staff. Keine einfache Personalie: Wer vertritt den Chef, wenn der gleichzeitig Mittelstürmer spielt? Wer kritisiert den Profi vom Bänkchen, wenn der Profi selbst die Kritik austeilt? Die Antworten stehen noch aus.
Die Spieler selbst reagieren zwiegespalten. Einige feiern den prominenten Namen, andere fürchten sich vor der Professionalisierung. „Wenn er uns Pressing schreit, aber wir nur zweimal die Woche trainieren können, wird das lustig“, murrt ein Feldspieler, der anonym bleiben will. Die Vorstellung, dass Didavi mit Bundesliga-Allüren anrückt, liegt in der Luft.
Doch der 36-Jährige gilt als Kommunikator. In Stuttgart führte er die Jungprofis stets vor, mit ihnen aß, mit ihnen tanzte. Ob das in Harthausen reicht, wo der Co-Trainer gleichzeitig der Busfahrer ist und die Trikots in der Waschküche hängen, wird sich zeigen.
Fakt ist: Mit Didavi bekommt die Kreisliga A2 Neckar/Fils das größte Medienecho ihrer Geschichte. Kameras, die sonst nur für Derby kommen, werden nun jede Trainingseinheit filmen. Die Frage ist nicht mehr, ob Harthausen aufsteigt, sondern ob Didavi runterkommt.
Seine erste Pressekonferenz wird voraussichtlich im Mai stattfinden, wenn die Saison gelaufen ist. Dann wird er erklären müssen, warum ein Mann, der einst gegen Real Madrid traf, sich freiwillig in eine Liga begibt, in der der Schiedsrichter mit dem Kapitän am Sonntag noch gemeinsam grillt. Die Antwort wird entscheiden, ob Harthausen ein Projekt wird – oder ein Spaß.
