Italien pulverisiert paralympics-rekord und schreibt geschichte auf heimischem schnee

Ein Schneesturm in den Tofanen hätte fast alles zunichte gemacht. Doch Giacomo Bertagnolli humpelte mit einem angeschlagenen Knie zum Start, atmete tief durch und raste in 1:29,37 Minuten zum Gold. Mit diesem Slalom-Sieg schraubte das italienische Team die Medaillenbilanz auf 16 – mehr Winter-Plaketten als jemals zuvor.

Die zahlen, die italien frozen ließen

7 Gold, 5 Silber, 4 Bronze – das war vorher undenkbar. Lillehammer 1994 galt mit 13 Medaillen als unerreichbare Marke. Jetzt liegt Italien hinter China, USA und Russland auf Platz vier, weit vor Frankreich und Deutschland. Zehnter Rang war bisher das Maximum.

Die Alpine-Abteilung lieferte zwölf von 16 Medaillen, serviert von nur vier Piloten. Simone Corbetta, Giuseppe Romele, Emanuel Perathoner und Jacopo Luchini fuhren Snowboard-Kurse, die niemand auf dem Schirm hatte. Drei Golds in der neuen Disziplin – das ist kein Zufall, sondern Programm.

Romele schob sich im Sitzen 20 Kilometer durch den Engadin-Wind, obwohl die Klassierung ihn nach LW11,5 verschob. „Bronze mit Handicap ist mir lieber als Gold in einer leichten Kategorie“, sagte er, während sich Schweißperlen in seinem Bart gefroren.

Jack und ryan: das perfekte paar auf zwei paar ski

Jack und ryan: das perfekte paar auf zwei paar ski

Bertagnolli und seine Guide Andrea Ravelli gewannen in Cortina fünf Rennen in fünf Starts. 13 Medaillen in drei Paralympics – das Duo funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk mit italienischem Temperament. Jack skizziert die Linie, Ryan ruft die Tore. Wer sie einmal gesehen hat, versteht, warum Blinde hier schneller fahren als Sehende.

Die Para-Eishockey-Crew um Kapitän Gianluigi Rosa schlug Deutschland mit 5:2 und landete auf Rang fünf. Sie nennen sich Dahu – eine mythische Gemse mit ungleichen Beinen. Der Name ist Programm: nie gerade, aber immer vorwärts.

Was bleibt, ist mehr als metall

Was bleibt, ist mehr als metall

Der Präsident des italienischen Paralympics-Komitees, Luca Pancalli, sprach von „einem Quantensprung für den Sport mit Behinderung in Italien“. Die Zahlen untermauern ihn: 30 Lizenz-Athleten waren es vor vier Jahren, heute sind es 127. Und das Curling-Stadion in Cortina ist bereits an Wochenenden ausverkauft – nicht wegen der Steine, sondern wegen der Geschichten dahinter.

Die Spiele haben gezeigt, dass Heimvorteil kein Mythos ist. Laut Umfragen des Instituts Demopolis wollen 41 % der befragten Jugendlichen mit Behinderung jetzt Ski oder Snowboard ausprobieren. Die Erfolge wirken nach – so wie ein guter Schwung in der Loipe.

Die Bilanz: Rekorde gebrochen, Barrieren gesprengt, ein Land auf dem vierten Platz. Wer jetzt glaubt, das war’s, kennt Italien schlecht. Die Azzurri haben erst warmgelaufen.