Leao: vom ausnahmetalent zur belastung? milans geduld ist am ende
Mailand – Rafael Leao, einst gefeierter Hoffnungsträger und Garant für spektakuläre Offensivaktionen, steht vor einer Weggabelung. Im Roten Trikot des AC Milan scheint die anfängliche Euphorie einer längst vergangenen Zeit anzugehören. Die Frage, die nun in der Modehauptstadt gestellt wird: Kann sich Leao noch rehabilitieren, oder ist seine Reise im San Siro bereits zu Ende?
Die enttäuschung über die fehlende konstanz
Sieben Jahre nach seinem Wechsel aus Frankreich, nach einer Saison in Portugal und einer kostspieligen Rechtsstreitigkeit, die Millionen verschlang, hat Leao in Mailand sowohl einen Scudetto als auch den Einzug ins Halbfinale der Champions League erlebt. Doch diese Erfolge werden zunehmend von einer erschreckenden Inkonstanz überschattet. Der einst so blitzschnelle und dribbelstarke Flügelspieler wirkt verunsichert, ja fast schon ausgelaugt.
Während der Verein sich längst nach einem zuverlässigen Leistungsträger sehnt, präsentiert Leao weiterhin das Bild eines Talentierten, das seine Möglichkeiten zu oft verpasst. Allein das letzte Tor datiert bereits vor über zwei Monaten – eine ewig lange Zeit im modernen Fußball. Die jüngsten Auftritte in Verona, gegen Juventus und Sassuolo verdeutlichen das Problem nur allzu deutlich. Ein unglücklicher Assist gegen Rabiot in Verona, gefolgt von einer kraftlosen Vorstellung gegen Juventus und einer weiteren schwachen Leistung gegen Sassuolo, wo er einen glasklaren Hochkaräter vergab, sorgten bei den Fans für offene Unmut.
Der Zweifel nagt: Ist Leao überhaupt der richtige Mann für die anspruchsvolle Aufgabe, die Max Allegri ihm übertragen will? Während Allegri in der Öffentlichkeit weiterhin auf Leao setzt und ihn als den dynamischsten Spieler im Angriff sieht (ein Lob, das angesichts der insgesamt schwachen Leistung der Offensive kaum Anrechnung wert ist), mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Geduld des Trainers am Ende ist.
Die Tatsache, dass Leao sich nach Einwechslungen oft verärgert zeigt, zu langsam agiert (wie gegen Lazio) oder gar auf dem falschen Bein steht (gegen Juventus), verstärkt den Eindruck eines Spielers, der sich seinen Mitspielern und der Mannschaftsaufgabe verweigert. Seine vorübergehende Löschung seiner Instagram-Aktivitäten aufgrund der Kritik und seine stets ausweichenden Antworten in den Nachberichten unterstreichen diesen Eindruck zusätzlich.

Die chelsea-millionen und die zukunft
Gerüchte über ein Angebot von Chelsea in Höhe von 100 Millionen Euro kursierten bereits nach der Saison 2022/23. Dieses Angebot wurde jedoch nie ernsthaft verfolgt. Nun, da Leao noch einen Vertrag bis 2028 besitzt und einen Jahresgehalt von sieben Millionen Euro bezieht, wird der Verein wohl versuchen, ihn bei einem respektablen Angebot abzugeben. Eine Ablösesumme zwischen 50 und 60 Millionen Euro scheint realistisch. Die bevorstehende Weltmeisterschaft in Amerika bietet Leao zwar noch einmal die Chance, sich zu präsentieren, doch angesichts seiner bisherigen Leistungen mit der portugiesischen Nationalmannschaft (nur 23 von 47 Spielen als Stammspieler, lediglich fünf Tore) ist dies eher unwahrscheinlich.
Die Entscheidung über Leaos Zukunft muss bald fallen. Denn eines ist klar: Milan kann sich einen Spieler, der mehr Gehalt bezieht als Tore erzielt, nicht länger leisten. Die Zeit der Versprechen und des Potenzials ist abgelaufen. Jetzt zählt nur noch Leistung – und die hat Leao in letzter Zeit schmerzlich vermissen lassen.
