Evaristo beccalossi: der geniestürmer, der italien verzauberte
Es war ein Derby, das in die Geschichte einging. Und ein Mann, der die Erinnerungen der alten Fußballfans bis heute wach hält: Evaristo Beccalossi. Der legendäre Stürmer des AC Milan traf am 28. Oktober 1979 gleich zwei Mal am legendären Ricky Albertosi, dem damaligen Torwart der Inter, und offenbarte dabei ein Spielverständnis, das bis heute für Gesprächsstoff sorgt. Doch wer genau erinnert sich noch an die Geschichte?
Ein gespräch mit einem fußballveteranen
Im Exklusivinterview mit dem renommierten Journalisten Germano Bovolenta blickt Ricky Albertosi, einst selbst ein gefürchteter Torwart, auf die Begegnung mit Beccalossi zurück. „Ich bin mittlerweile 86 Jahre alt, aber die Erinnerung ist noch wach“, beginnt Albertosi, dessen Karriere parallel zu der von Lido Vieri verlief. „Evaristo war eine Augenweide. Er nahm den Ball mit und zog seine Zickzack-Läufe. So einen Spieler würde man heute als unumstrittenen Stammspieler in der Nationalmannschaft sehen.“
Albertosi erinnert sich an das Derby, bei dem Beccalossi ihm zwei Tore einnetzte. „Ich erinnere mich sehr gut daran, sowohl an das erste als auch an das zweite Tor. Er versetzte uns wirklich. Wir waren damals italienischer Meister, mit dem Stern auf der Brust. Die Inter hatte lange gegen uns keine Chance gehabt – fünf Jahre, glaube ich.“

Der „derby der sterne“ und beccalossi’s einzigartiger stil
Das Spiel, das als „Derby der Sterne“ bezeichnet wurde, fand unter trüben Bedingungen statt. „Es regnete an diesem Tag, und das Spiel war nicht besonders gut“, erinnert sich Albertosi. „Wir haben in der Verteidigung Fehler gemacht, zu viele Fehler, wie Aldo Maldera immer sagte. Die Inter hat den Titel dann auch verdient gewonnen.“
Was Albertosi besonders an Beccalossi beeindruckte, war sein einzigartiger Spielstil. „Er war ein fantastischer Spieler, voller Talent und Fantasie. Er nahm den Ball und zog seine Zickzack-Läufe. Er gab den Ball nie zurück, er lief immer weiter nach vorne. So spielen die Fußballer heute nicht mehr.“

Die verpasste weltmeisterschaft und das veränderte fußballgesicht
Die Karriere von Beccalossi wurde von einer bitteren Enttäuschung überschattet: Er wurde von Trainer Bearzot zur Weltmeisterschaft 1982 nicht berücksichtigt und gegen Antognoni ausgetauscht. „Das war natürlich schade“, sagt Albertosi. „Aber damals gab es eben viele gute Spieler. Heute ist alles anders.“
Albertosi beklagt die Entwicklung des modernen Fußballs: „Alles hat sich verändert – Technik, Taktik, Vorbereitung, die Art und Weise, wie man Fußball lebt. Zu viel Angst, zu viele Befürchtungen. Und überall wird der Ball zurückgepasst! Beim AC Milan, nur als Beispiel, berührt Maignan den Ball öfter als Leao.“

Die inter, beccalossi und das vermächtnis eines genies
Die Inter dominiert aktuell die Serie A, und Albertosi genießt es, die vielen Tore zu sehen. „Ich mag die Inter. Und Beccalossi hätte bei der Inter gespielt und gewonnen. Er war ein wunderbarer Spieler und hätte auch heute noch einen Unterschied gemacht. Sein Fußball war Freude. Man sah es, wenn er aufs Feld kam und den Gegner herausforderte. Damals sagte man: Er ist sein Eintrittskartenpreis wert. Er war einer von diesen Spielern. Er hat einen verrückt gemacht, wenn man gegen ihn gespielt hat. Und danach saß man dann im Café und hat ein Bier und eine Zigarette geteilt.“
Albertosi, selbst Raucher, schmunzelt: „Ja, ein Schachtel pro Tag. Und dann ging es zum Flughafen.“
Obwohl Gianni Rivera Albertosi als den besten Torwart aller Zeiten bezeichnet, betont Albertosi die eigene Stärke: „Ich habe mich immer stark und entschlossen gefühlt, ohne Probleme. Ich war immer einen Schritt voraus, nicht nur in der Position. Ich habe gerne mit den Füßen gespielt, obwohl ich nicht die Füße von Maignan oder Carnesecchi hatte.“
Die Geschichte, dass Albertosi fast zu den Nerazzurri gestoßen wäre, ist legendenhaft. „Zweimal war ich kurz davor. Einmal beim Spezia, als Dilettante. Ich habe dort ein unendliches Probetraining gemacht. Dann kam die Fiorentina. Mein Vater wollte das nicht, ich ging zur Schule. Meine Mutter half mir dann und ich ging nach Florenz.“
Die Erinnerung an Beccalossi und seine unglaublichen Fähigkeiten bleibt jedoch unvergessen. „Es war die Schönheit des Fußballs“, sagt Albertosi und lässt den Blick in die Vergangenheit schweifen.
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