Helms ausbruch: austria vor sturm-gipfel mit fan-krawall im nacken
Stephan Helm platzt der Kragen. Vor dem Meistergruppen-Auftakt gegen Sturm Graz schleudert der Austria-Trainer unverblümt die Worte „Es kann sich keiner wegducken“ in den Raum und zielt damit quer durch den Klub – bis vor die Haustür von Ex-Sportvorstand Jürgen Werner.
Die Szenerie: 50 Fans, ein Transparent mit der Aufforderung „Nimm dei Reibach & schleich di einfach“, dazu Sprechchöre vor Werners Wohnhaus in Wels. Der Vorfall kurz vor dem Auswärtsspiel in Ried hat die internen Grabenkäufe um Finanzvorstand Harald Zagiczek und die WTF-Investorengruppe auf eine neue, bedrohliche Stufe gehievt. Helm reagiert mit einer Mischung aus Enttäuschung und Kampfansage: „Das ist nicht leiwand.“
„Privatsphäre ist privatsphäre“ – fischer zieht die rote linie
Kapitän Manfred Fischer stellt sich demonstrativ neben seinen Coach. „Die Privatsphäre, egal welcher Person, sollte immer respektiert werden“, sagt der Mittelfeldstratege und unterstreicht damit die Stimmung im Kader: solidarisch, angegriffen, aber längst nicht am Boden. Die Austria hat sich in den vergangenen Monaten zur Schule der Störfaktor-Bewältigung gemausert. Interne Quellen berichten von Trainingswochen, in denen Helm gezielt Gerüchte und Medienberichte in die Videoanalyse einbaute – nur um sie anschließend zu zerreißen.
Die Zahlen sprechen für sich: Seit dem 0:3 gegen Salzburg im Oktober hat die Austria im eigenen Stadion nicht mehr verloren. Die Siegesserie gegen Sturm Graz reicht sogar noch weiter – sieben Partien, fünf Siege, zwei Remis, vier Erfolge in Serie. Doch Helm warnt vor Selbstzufriedenheit: „Vergangenheit ist Papier.“

Sturm graz will die serie stoppen – und den grazer umbruch kommunizieren
Bei den Schwarz-Weißen brodelt es ebenfalls. Nach einem Mitgliedertalk haben die Verantwortlichen Fehler im Kommunikationsstil des Umbruchs eingeräumt, gleichzeitig wächst die Sorge, dass der Stadionneubau wegen der Grazer Kommunalwahl Ende Juni erneut ins Stocken gerät. Trainer Fabio Ingolitsch plant personelle Umstellungen: „Wir wollen unsere Spielprinzipien von der ersten Minute an auf den Platz bringen.“ Bislang holte Sturm gegen Mannschaften aus der Qualigruppe auswärts keinen Sieg – ein Trend, der sich ändern muss, will man die Austria vor heimischem Publikum alt aussehen lassen.
Die Austria selbst feiert am Sonntag das 115-jährige Vereinsjubiläum – und könnte mit einem Erfolg gegen den amtierenden Double-Gewinner gleich doppelt legendäre Geschichtsbücher aufschlagen: erste Tabellenführung in der Meistergruppe und erste Heimpleite für Sturm seit März 2022.
Die Ausgangslage: Wien-Favoriten liegt punktgleich mit Salzburg auf Platz zwei, hat aber die bessere Tordifferenz. Ein Sieg würde die Veilchen zumindest für 24 Stunden an die Spitze setzen – und die internen Machtkämpfe für 90 Minuten in den Hintergrund drängen. „Wir werden bereit sein“, verspricht Fischer. Falls nicht, droht nicht nur der Verlust der Meisterserie, sondern auch die Rückkehr der lauten Stimmen vor Werners Haustür.
