Franz roth packt aus: die wahrheit hinter bayerns europa-triumphen

Er schoss den FC Bayern dreimal zum Europapokal-Sieg – und wurde zur lebenden Legende. Jetzt bricht Franz Roth sein Schweigen und liefert intime Einblicke in die Ära von Beckenbauer, Maier und Müller.

Ein tor, ein pokal, ein leben

Am 31. Mai 1967 war er noch ein Nobody. Am 1. Juni galt er als Held. Roth erzählt, wie er nach seiner 1:0-Entscheidung gegen Glasgow Rangers im Hotel angerufen wurde: „Meine Mutter weinte am Telefon. Sie hatte den Fernseher ausgemacht, weil sie dachte, ich würde vergeigen.“ Stattdessen schoss er Bayern auf den europäischen Thron.

Die Erinnerung sitzt tief. 78 Jahre alt, sitzt er im Schatten des Olympiastadions, blickt auf die Gerüste und sagt: „Das Stadion ist mein Wohnzimmer, nur renoviert derzeit. Die 85 000 damals – das war kein Lärm, das war ein Orkan, der mich trug.“

„Mia san mia“ war schon unser ding

„Mia san mia“ war schon unser ding

Roth lacht, als er das heutige Marken-Motto hört. „Wir sagten einfach: ‚Wir sind der FC Bayern, Punkt.‘“ Der Kern? Ein Kader, der sich wie eine verschworene Familie verhielt. „Franz, Sepp, Gerd und ich – wir wussten vor jedem Spiel: Wer uns hier schlagen will, muss sich selbst überwinden.“

Der Spitzname „Bulle“? Entstand in der Kabine. Trainer Cajkovski nannte ihn „stark wie ein Ochse“. Maier kürzte: „Bei uns heißt das Bulle.“ Von da an war er auf dem Platz das Biest, zu Hause weiterhin einfach Franz.

Die nacht, in der lattek bis tausend zählte

Roth schmunzelt, erzählt von der verbotenen Bar in Kulmbach. „Wir hatten einen Neo-Profi als Wachposten. Als Lattek hereinkam, lag die komplette Mannschaft hinter dem Tresen auf dem Boden.“ Der Coach: „Ich zähle bis 1000 – dann will ich keinen mehr sehen.“ Roth: „Wir sind bei 950 rausgerutscht wie Aale.“

Disziplin war damals Trumpf. Massage? Fehlanzeige. „Ich legte mich als junger Spieler auf die Pritsche, Olk kam rein: ‚20 Jahre und Massage! Runter!‘ Ich humpelte mit nur einem eingecremten Bein raus.“ Heute wäre das ein Skandal, damals war es Normalität.

Upamecano? fast wie ein bruder leichtfuß

Roth beobachtet die aktuelle Defensive genau. „Upamecano hatte Anfangs-Aussetzer – ein Pass in die Spitze, ein Stolper-Duell. Aber Kompany hat ihn umprogrammiert. Fehler weg, Selbstvertrauen rein. 50 Millionen? In dem Markt ein Schnäppchen.“

Jonathan Tah lobt er als „Wand, gegen die sich Stürmer die Zähne ausbeißen“. Und dann der Seitenhieb: „Vier Spitzen-Innenverteidiger – das wird selbst Madrid neidisch.“

Uli bleibt uli – und bayern bleibt familie

Max Eberl als neuer Hoeneß? Roth schüttelt den Kopf. „Uli hat den Verein vor dem Ruin gerettet, das bekommt keiner zweimal hin. Eberl ist clever, ruhig, strukturiert. Aber es gibt nur ein Original.“

Hoeneß’ neue Rolle sieht er pragmatisch: „Er nimmt sich zurück, aber wenn er redet, hören alle auf. Wir telefonieren noch jeden Geburtstag. Der FC Bayern ist kein Arbeitgeber – er ist ein Blutsvertrag.“

Den Bayerischen Verdienstorden trägt Roth seit 2025. „Das Kreuz steht im Wohnzimmer, neben dem ersten Europapokal-Ball. Beide erzählt meine Enkelin jetzt in der Schule – und plötzlich ist Opa kein alter Mann mehr, sondern der Bulle, der Geschichte schrieb.“