Fortuna köln schreibt aufstiegsreif: 70-punkte-marke fest im visier

Acht Punkte Vorsprung, ein Rückrundensieg nach dem anderen, und trotzdem kein Jucken nach Sommerpause: Fortuna Köln arbeitet sich mit kalkulierter Vehemenz in Richtung 3. Liga. Die Devise lautet 70 Punkte – keine Spaßmarke, sondern die magische Schallgrenze, die Präsident Hanns-Jörg Westendorf aus Erfahrung für unverzichtbar hält.

Warum 53 zähler noch lange keine entwarnung bedeuten

Die Südstädter dürfen momentan traumhaft rechnen: 53 Punkte aus 24 Spielen, ein Schnitt von 2,21. Doch Westendorf erinnert sich an die Vergangenheit. 2023 genügten Münster 67 Zähler zum Aufstieg – am Ende jubelte der Meister mit 79. Aachen wäre 2024 mit 64 durchgewunken worden, holte 75. Die Moral: Nur wer bis zur letzten Minute Gas gibt, kann sicher aufsteigen. „Die aktuellen 53 Punkte sind weit weg davon, Entspannung zu erzeugen“, sagt er knapp.

Trainer Matthias Mink sieht das genauso. Nach dem 3:2 in Bocholt, bei dem seine Mannschaft zwei Rückstände drehte, lobte er die Moral, nicht den Tabellenstand. „Wir haben die Widrigkeiten getrotzt, so sein Kommentar – ein Satz, der eher nach Boxen klingt als nach Fußball. Genau diese Einstellung macht den Unterschid aus.

Velbert als nächste brennessel

Velbert als nächste brennessel

Am Freitag (19.30 Uhr) wartet mit der SSVg Velbert ein Abstiegskandidat, der sich die Haare raufen wird, um den Klassenerhalt zu sichern. Bogdan Komorowski, früher Coach von Fortunas Mittelrheinliga-Reserve, kennt die Südstädter besser als jeder andere. Westendorf warnt deshalb vor „Kampf ums Überleben“. Das klingt nach Pokal, nicht nach Pflichtsieg.

Die Spieler haben intern bereits verstanden: Wer jetzt nachlässt, verspielt nicht nur Punkte, sondern auch die eigene Drittliga-Perspektive. Denn die Lizenzunterlagen liegen bereits beim DFB, Rückmeldung wird Anfang April erwartet. Wirtschaftliche Fragen stehen noch offen, doch Westendorf bleibt cool: „Wenn man nicht im Geld schwimmt, kommen immer Fragen auf.“ Für ihn ist das kein Drama, sondern Alltag.

Koschinats erbe als blaupause

Koschinats erbe als blaupause

Die Parallelen zur Aufstiegsmannschaft von 2014 liegen auf dem Tisch. Unter Uwe Koschinat schaffte Fortuna den Sprung über die Relegation gegen Bayern II. Auch damals dominierte Routine, Anführermentalität und ein Teamgeist, der selbst Rückstände nicht ins Wanken brachte. Westendorf schmunzelt: „2014 haben wir sogar 76 Punkte geholt.“ Die aktuelle Truppe besitzt nach Einschätzung von Mink und Präsident das gleiche Fundament.

Die Rechnung ist simpel: Sieben weitere Siege aus den restlichen zwölf Spielen, und die 70-Punkte-Marke ist gebrochen. Dann dürfte selbst ein sportlicher Tiefschlag nicht mehr reichen, um den Aufstieg zu verhindern. Die Jungs aus der Südstadt wissen, dass sie sich selbst treiben müssen – kein Gegner wird ihnen den Platz in Liga drei schenken.

Der Countdown läuft. Und Fortuna Köln hat den Blick schon länger nicht mehr auf den Abstieg gerichtet, sondern auf den Fernsehgeld-Kicker und die erste Single mit „3. Liga“-Aufdruck. Wer jetzt noch zögert, verpasst den Zug. Die Devise lautet: Vollgas bis zum Schlusspfiff, dann wird der neue Spielplan automatisch interessanter.