Ex-spitzenreferee marc fasthoff übernimmt beim dhb: jetzt richtet er die schiedsrichter aus
Mit Marc Fasthoff rückt ein Mann ans Steuer, der weiß, wie sich Druck anfühlt. Der frühere Bundesliga-Referee übernimmt zum 1. April die neu geschaffene Position des Senior Managers im Schiedsrichterwesen des Deutschen Handballbundes – und damit Einfluss auf jede pfeifende Entscheidung in den kommenden Jahren.
Der spagat zwischen tradition und turbo-handball
Fasthoffs Job klingt nach Aktenordner und Excel-Tabellen. Tatsächlich wartet ein Spagat auf ihn: zwischen den Wünschen der Liga, den Sorgen der Ehrenamtler und der Euphorie der Fans, die sich eine schnellere, transparentere Spielleitung wünschen. Denn das Schiedsrichterwesen steht unter Strom. Nach der WM-Heim-Blamage der Nationalmannschaft richten sich alle Blicke auf die Infrastruktur, die den Handball am Laufen hält. Fasthoff soll sie fit machen für die Turbo-Ära mit Video-Beweis, Trackingsystemen und Social-Media-Shitstorms, die nach jeder umstrittenen Entscheidung ausbrechen.
Der 52-Jährige kennt die Mechanik. Als Teil des Gespanns Behrens/Fasthoff pfiff er zwölf Jahre auf höchstem Niveau, wurde 2018 zum Paar der Saison gewählt. Seit 2023 baute er ehrenamtlich Strukturen auf – jetzt bekommt er ein Budget und ein Büro. 450.000 Euro fließen laut DHB jährlich in die Schiedsrichterförderung, ein Betrag, der sich verdoppeln soll, wenn die 3. Liga 2025 startet. Fasthoff verwaltet künftig diese Kasse.

Talentförderung statt flickschusterei
Seine erste Baustelle: die Basis. Im Schnitt brechen 23 Prozent der Nachwuchs-Referees ihre Karriere innerhalb von drei Jahren ab, weil Anreise, Ausrüstung und Schichtdienst kollidieren. Fasthoff will ein bundesweites Scoutingsystem etablieren, das Talente schon in der Regionalliga identifiziert und mit Mentoren verknüpft. Ziel: 250 zusätzliche Referees bis 2027. Parallel dazu entsteht ein digitales Schulungsportal mit AR-Technik, in dem Spielszenen in Echtzeit zerlegt werden – ein Projekt, das der DHB gemeinsam mit der Deutschen Sporthochschule Köln pilotiert.
Die zweite Baustelle: Technik. Ab der kommenden Saison erhalten alle Zweitliga-Referees Bodycams, die Aufzeichnungen liefern sollen, um Fehlentscheidungen zu analysieren. Die Daten landen auf einer Plattform, die Fasthoffs Team administriert. Kritiker wittern Überwachung; der DHB spricht von Transparenz. Der Streit beginnt schon jetzt.
Fasthoff selbst schaltet runter. Auf die Frage, ob er sich ein Comeback auf dem Parkett vorstellen könne, lacht er nur: „Ich bin raus. Meine neue Aufgabe ist es, anderen den Rücken freizuhalten.“ Dabei bleibt ihm wenig Zeit. Die erste große Bewährungsprobe steht bereits im Januar an: der Super Cup in Hamburg, bei dem die neue Challenge-Regel getestet wird. Wenn dort etwas schiefläuft, fällt die erste Schuld auf seinen Schreibtisch.
Am Ende zählt nur die Bilanz. Fasthoff muss beweisen, dass sich Professionalisierung nicht in teuren Satellitenstudiokontrollen erschöpft, sondern in besser ausgebildeten Menschen. Der Handball hat seinen Referee der Herzen – jetzt wird er zum Architekten eines Systems, das endlich mit der Zeit geht. Scheitert er, wird die nächste WM-Debatte nicht mehr über Spieler, sondern über fehlende Referees geführt werden. Die Uhr tickt. Und sie pfeift nicht ab.
