Ex-top-schiri fasthoff übernimmt steuer beim dhb – das schiedsrichterwesen bekommt einen neuen chef
Der Deutsche Handballbund schaltet einen Gang höher: Marc Fasthoff, 2018 zum Schiedsrichter des Jahres gekürt, tritt zum 1. April die Stelle als Senior Manager im Schiedsrichterwesen an. Die Nachricht kommt pünktlich zur heißen Phase der Saison – und sie hat Signalcharakter.
Warum diese beförderung genau jetzt fällt
Seit Monaten arbeitet Fasthoff schon ehrenamtlich als Organisationsleiter im DHB-Referee-Pool. Nun wird der Job bezahlt, die Aufgabenliste länger, der Einfluss größer. Ingo Meckes, Vorstand Sport, spricht offen von „Professionalisierungsschub“ – ein Wort, das in der Handball-Welt selten fallen durfte, ohne dass Augenbrauen hochschossen. Denn wer sich Spitzenspiele anschaut, merkt: Der Druck auf den Pfeifen wächst mit jeder Übertragung, mit jeder Slow-Mo-Wiederholung. Die Liga will Fehlerquoten senken, die Vereine wollen Transparenz, die Fans wollen Gerechtigkeit in Echtzeit.
Fasthoff bringt das mit, was Papier-Fachkonzepte nie liefern können: 363 Bundesliga-Einsätze, zwei Weltmeisterschaften, Olympia-Atmosphäre. Er kennt das Zischen in Hallen, wenn sich 12.000 Zuschauer in einem Atemzug beschweren. Und er kennt die Seitenpfad-Whatsapp-Gruppen, in denen sich Schiris gegenseitig nach dem Spiel Schulterklopfen oder – schlimmer – Schweigen senden. Kurz: Er war drin im System, bevor er es nun von oben umbaut.

Was der 52-jährige in der schublade hat
Die Stelle ist neu geschaffen – kein Einzelfall, sondern Teil eines Ressorts, das unter Jutta Ehrhmann schon seit Jahren intern umgemodelt wird. Budgetplanung, Sichtung junger Talente, technische Ausstattung (Headset, Körperkameras, Datenbrillen), Teilnahme an internationalen Arbeitskreisen: Alles landet künftig auf Fasthoffs Tisch. Dazu kommt die heikle Aufgabe, mit Landes- und Ligaverbänden neue Regel-Handbücher zu verhandeln. Wer schon mal eine Abstimmung mit 21 regionalen Selbstverwaltungskörperschaften führen musste, weiß: Das ist Handball-Föderalismus in Reinform.
Der Diplom-Sportlehrer liefert sich dabei keinen Selbstzweck. Er selbst beendete seine aktive Karriere 2019, weil Knie und Hüfte nach 25 Jahren auf Parkett und Kunststoff streikten. Die Erkenntnis: Der deutsche Schiedsrichter-Nachwuchs braucht eine Durchlässigkeit zwischen Landesligen und europäischem Parkett, sonst bleibt der nächste Fasthoff irgendwann in der Oberliga hängen. Die Lösung: Ein mehrstufiges Talent-Tracking-System, das mit Video-Scouts und Analytics arbeitet – ähnlich dem, was die NBA für Referees nutzt. Pilotprojekt startet 2025, Budget schon genehmigt.
Die stunde der wahrheit kommt schon im mai
Beim Final4 der Liqui Moly HBL in Köln will der DHB erstmals eine komplett eigenständige Schiedsrichter-Operations-Center aufziehen – mit Fasthoff als Projektleiter. Drohnen-Kameras, Live-Tracking, unabhängige Video-Assessoren. Klappt die Infrastruktur, gilt das als Probedruck für die EURO 2026, die der DHB mitorganisiert. Floppt es, steht der Verband erneut da wie der schuldlose Täter nach einem Handspiel im Strafraum.
Die Kritik wird nicht lange auf sich warten lassen. Denn mit einer Festanstellung wandelt sich auch der Blick: Vom unbequemen Kontrollorgan zum Teil der Liga-Ökonomie. „Ich bin kein Bürokrat“, betont Fasthoff im Gespräch mit Pelkum Sportwelt, „ich will den Schiris das Gefühl geben, dass sie Athleten auf Zeit sind – mit Ausbildung, Mental-Coaching und Karriereperspektive jenseits von Roten Karten.“ Ob das reicht, um jene Stimmen zu verstummen, die nach jedem zweiten Spiel auf Social-Media-Plattformen #DHBSchiri rausposaunen, wird sich zeigen.
Fakt ist: Fasthoff übernimmt ein Ressort, das seit Jahren zwischen Anspruch und Realität kollidiert. Die Quote korrekter Zweikampf-Entscheidungen lag laut interner Auswertung bei 87 Prozent – klingt gut, reicht aber nicht, wenn eine einzige Fehlentscheidung in der Playoff-Halbfinal-Serie ganze Saisonkonzepte zerschießt. Der neue Senior Manager wird also nicht nur Personalien sortieren, sondern auch eine Kultur schaffen, in der Fehler zwar bleiben, aber erklärbar werden. Sonst bleibt am Ende nur der Satz, den sich Fans schon jetzt zurechtlegen: „Hätte, würde, Fasthoff.“
