Forster jagt gold nummer zwei – muraoka atmet ihr in den nacken

Cortina d’Ampezzo – 0,54 Sekunden. So viel Luft hat Anna-Lena Forster nach dem ersten Riesenslalom-Durchgang noch zum Weltrekord. Die 30-Jährige aus Radolfzell flog mit der Sitzski-Kante wie auf Schienen in 1:15,12 Minuten die Bestzeit hinunter, doch im Ziel war kein Jubel, nur ein kurzer Nicken. Sie kennt Momoka Muraoka zu gut. Die Japanerin, seit Peking unbesiegt, lauert mit der Gelassenheit einer Katze auf Fehler.

Die Ampel für den zweiten Lauf springt um 12.30 Uhr auf Grün. Dann wird klar, ob Forster ihre fünfte Goldmedaille – und erstmalig im Riesenslalom – einfährt oder ob Muraoka die Krone räumt. Die Zuschauer am Tofana-Hang ahnen: Das Duell wird zur Sekundenoperation.

Andere klassen, andere dramen

Andere klassen, andere dramen

Andrea Rothfuss startet im Stehen von Rang vier. 3,55 Sekunden Rückstand klingen nach Weltklasse, doch die Schwedin Ebba Arsjö skatierte im ersten Lauf wie entfesselt. Rothfuss braucht entweder ein Wunder oder einen Fahrfehler der Konkurrentin. Anna-Maria Rieder (7., +5,14) wird wohl nur noch ins Mittelfeld schrauben. Für Deutschland bleibt also nur die Hoffnung auf Forster.

Die Spanierin Audrey Pascual Seco, Abfahrts-Zweite und Super-G-Gold, rauschte nach Zwischenbestzeit mit spektakulärem Flug ins Netz. Ihre Tränen im Ziel verraten, wie schnell Traum und Crash sich hier küssen.

Im Sehbehinderten-Rennen führt die 17-jährige Maya Fügenschuh gemeinsam mit ihrer Guide Johanna Holzmann auf Platz elf. 20,17 Sekunden hinter Veronika Aigner sind viel, aber die beiden debütieren – und Cortina war nie ein Leichtes Pflaster.

Die Entscheidung fällt zwischen Forsters Coolness und Muraokas Killerinstinkt. Wer den zweiten Lauf gewinnt, holt sich nicht nur Gold, sondern auch die mentale Vorrunde für die restlichen Bewerbe. Die Uhr tickt. Die Kante ruft. Und die Monoski-Welt schaut nach Cortina.