Aguirre zieht die notbremse: wer zu spät kommt, fliegt aus dem wm-kader
20 Uhr, Centro de Alto Rendimiento, Mexiko-Stadt. Die Reporter stehen Schlange, die Kameras sind auf die Einfahrt gerichtet. Kein Paparazzi-Trubel um einen Popstar – nein, es geht um Alexis Vega und Jesús Gallardo. Ob sie rechtzeitig zum gemeinsamen Abendessen erscheinen, entscheidet über ihren Platz bei der Heim-WM. Nationaltrainer Javier Aguirre hatte klargestellt: „Wer nicht da ist, fliegt raus.“
Warum mexiko plötzlich mit dem hausherrn droht
Aguirre will seine 20 Liga-Profis drei Wochen früher als Deutschland ins Lager holen – ein Kraftakt, der die Klubs erzürnt. Denn die Liga MX läuft noch bis 24. Mai, das Viertelfinal-Rückspiel von Toluca im Concacaf Champions Cup war gerade angesetzt. Vega und Gallardo standen auf dem Spielberichtsbogen, doch statt in Los Angeles anzureisen, saßen sie um 19.56 Uhr in Mexiko-Stadt am Tisch – und machten die Kader-Liste komplett.
Die Bilder des Verbandes zeigen alle Spieler in Reih und Glied, doch dahinter brodelt es. Chivas-Eigentümer Amaury Vergara hatte noch am Nachmittag gedroht, seine Nationalspieler zurückzuholen. Sein Verein hatte das Viertelfinal-Hinspiel ohne drei Leistungsträger verloren, weil er die FIFA-Ruhezeit einhalten wollte. Als ihm bewusst wurde, dass Toluca seine Profis eventuell doch länger hätte einsetzen dürfen, schrieb er auf X: „Abkommen gelten nur, wenn sich alle daran halten.“

Der preis für ein dream-team vor heimischem publikum
Mexiko will 2026 nicht nur Gastgeber sein, sondern endlich das Achtelfinal-Tor nach 40 Jahren durchbrechen. Aguirre setzt deshalb auf ein 38-tägiges Vorbereitungs-Camp, drei Testspiele (Gegner: Ghana, Australien, Serbien) und ein verschärftes Disziplin-Regiment. Die Spieler akzeptieren – vorerst. Denn der Trainer kündigte an, auch die Europaprofis früher abzuziehen. Klubs wie Ajax, Betis oder Milan dürden sich bereits jetzt warm anziehen.
Der Countdown läuft: Noch 34 Tage bis zur Eröffnung im Aztekenstadion. Aguirre hat die Uhr auf Sturm gestellt. Seine Devise: „Wer nicht mitspielt, spielt nicht mit.“ Die nächste Deadline tickt bereits.
