Forster, rothfuss und co. jagen gold: diese deutschen paralympics-stars zählen ab heute

Die Schneekanonen donnern, die Bindungen schnallen – und Anna-Lena Forster legt los. In Mailand/Cortina beginnt für Deutschlands 40-köpfige Paralympics-Truppe die Jagd nach Edelmetall, begleitet von einem Skandal, der die Vorfreude trübt: Zwei Curling-Steine sind spurlos verschwunden.

Die deutschen karten sind klar verteilt

Forster gilt als Top-Kandidatin im Para-Ski Alpin, Johanna Recktenwald und Marco Maier sollen im Biathlon und Langlauf liefern. Die Bilanz von 2022? Fünf Gold, fünf Silber, acht Bronze. Die Erwartung: mindestens genauso viel – oder mehr. Der Deutsche Behindertensportverband hat seine Athleten und die acht Guides inzwischen in die italienischen Berge verlegt, die Wettkämpfe laufen bereits.

Doch die ersten Tage gehörten nicht dem Sport. Im Curling-Stadium Cortina fehlten plötzlich zwei Steine aus dem offiziellen Viererset. Die italienische Polizei ermittelt wegen Diebstahl, World Curling bestätigte den Vorfall. Erste Reaktion der Fans: Hohn. „Wer klaut schon Curling-Steine?“ Die Antwort lautet: Jemand, der offenbar glaubt, 20 Kilo Granit unters Hemd verstecken zu können.

Das zeitfenster schließt sich schneller als gedacht

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Die Wettkämpfe laufen auf Hochtouren. Im Rollstuhlcurling schlägt Gastgeber Italien Südkorea 7:5, China demontiert Weltmeister Japan 10:3. Die deutsche Mannschaft muss dagegen noch zünden. Der Medaillenkalender ist eng getaktet: Bis zur Schlussfeier in Verona am 22. Februar bleiben exakt 17 Tage, in denen jede Zehntelsekunde zählt.

Jörg Wedde und seine Para-Eishockey-Kollegen haben bereits Trainingslager in Pieve di Cadore absolviert, die Ski-Nordisch-Truppe um Martin Fleig testet die Loipen rund um Cortina. Die Höhenlage bei 1.600 Metern fordert die Lungen, die Psyche und die Technik. Wer hier nicht bei 100 Prozent ist, fliegt raus – buchstäblich.

Die neue regel, die alles verändern kann

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Erstmenschen sind gefragt: Die IPC hat die Klasseneinteilung verschärft. Athleten mit geringeren Behinderungsgraden starten künftig in einer eigenen Kategorie, was einige deutsche Favoriten betrifft. Intern heißt es: „Wer früher in der Klasse LW12 fuhr, muss sich nun neu erfinden.“ Die Konkurrenz schläft nicht. Norwegen hat 34 Athleten gemeldet, die USA 26 – und die Ukraine, trotz Krieg, immer noch 19.

Die Stimmung im Team? Geladen. Anna-Lena Forster postet aus dem Trainingslager Videos, in denen sie mit 87 km/h die Piste runterbrettert. „Kann sein, dass ich mir den Daumen breche, wenn ich zu fest die Stöcke nehme“, lacht sie in die Kamera. Ironie der Sportler:innen – sie wissen, dass Verletzungen hier kein Luxus, sondern Teil des Geschäfts sind.

Das erbe von peking liegt schwer auf den schultern

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Deutschland war 2022 Zweiter hinter China. Die Bilanz: 18 Medaillen. Nun will man nachlegen. Die Sportschau-Redaktion rechnet intern mit 20 Plus-X. Die Athleten selbst schweigen zu konkreten Zielen. „Wir fahren nach Italien, um zu gewinnen – nicht um teilzunehmen“, sagt Martin Fleig knapp. Mehr muss man dazu nicht sagen.

Die erste Medaille fällt am 8. Februar im Biathlon. Die letzte am 20. im Team-Staffellanglauf. Dazwischen liegen 150 Stunden Live-Sport, 78 Entscheidungen und ein Curling-Stein, der immer noch fehlt. Wer in diesen Tagen nach Cortina kommt, sollte nicht nur die Berge im Blick haben, sondern auch die Taschen – man weiß ja nie.

Der Countdown läuft. In 17 Tagen ist alles vorbei. Bis dahin gilt: Start frei für Forster, Rothfuss und Co. – und vielleicht für einen Dieb, der sich wünscht, er hätte sich für Tennisbälle statt für Granit entschieden.