Duplantis fliegt auf 6,31 m – schweden jubelt, die welt hält den atem an
Uppsala, 12. März 2026, 21.37 Uhr – 6,31 m. Die Zahl steht, bevor das Netz überhaupt zittern kann. Armand Duplantis schreibt sich selbst neu, diesmal vor Heimpublikum, mit Verlobte, Eltern und 4.500 fans die sich die Seele aus dem Leib schreien. Die 15. Weltbestmarke seines Lebens – und wieder einmal nur er selbst war es, der sie jemals berühren konnte.
Die serie, die keiner mehr erklärt
Vier Sprünge. Kein Fehlversuch. 5,65 m – locker. 5,90 m – Trainingstempo. 6,08 m – schon Weltklasse. Dann die Monsterhöhe: 6,31 m. 14 cm über der Latte, die den Rest des Felds bei 6,00 m ausknockte. Der Norweger Lange-Guttormsen landet auf 6,00 m, US-Boys Bradford und Kendricks bleiben bei 5,90 m, genau wie Australiens Marshall. Der Grieche Karalis, vor zwei Wochen noch 6,17 m-Springer, schafft nur 5,80 m – und wirkt, als hätte er ein Déjà-vu erlebt, nur ohne Happy End.
Die Zeitmessung an der Stange: 10,37 s über 100 m stand einst in seiner Vita. Heute war die Anlaufphase noch schneller. Reine Sprintmechanik, 20 Schritte, 0,16 Sekunden Kontaktzeit pro Bodenpunkt. Kein Stabhochspringer, sondern ein beschleunigter Geschosslauf, das sich in vertikale Höhe übersetzt.

Zuhause ist, wo die latte wackelt
Uppsala ist kein Zufall. Hier trainierte der 26-Jährige im Studentenstadium, hier kaufte sich sein Vater die ersten Fiberglasstäbe. Das 5. Mondo Classic ist auf ihn getauft – Silver Label der World Athletics Indoor Tour. Sponsoren zahlen, TV-Bilder laufen in 94 Länder. Die Kommune stemmt 1,2 Mio. Euro, die sich innerhalb von 90 Minuten durch Ticketverkauf und Merchandising amortisieren. Ein lukratives Eigenleben, das ohne Duplantis' Beine nicht existieren würde.
Die Arena ist verkauft, doch die Show bleibt privat. Nach dem Sieg küsst er die Verlobte, umarmt Mama Helena, Schwedens ehemalige siebenkämpferin, und Papa Greg, der als Coach mit 55 noch die Stabrotation demonstriert. Die Familie ist Startblock und Fangnetz zugleich.

Die marke, die kein mensch braucht – außer er selbst
6,31 m – drei Zentimeter über seinem alten Indoor-Rekord, einen über dem Outdoor-Besten. Die Zahlenkaskade wird zur Litanei: erstmals 6,17 m im Februar 2020, 6,18 m eine Woche später, dann 6,19 m, 6,20 m, 6,21 m … immer im Februar, immer in der Halle, immer vor leeren Rängen oder reduziertem Publikum. Die Pandemie war sein stiller Co-Star. Heute sind 4.500 Zuschauer der Beweis: das Virus ist weg, das Duplantis-Virus bleibt.
Und weiter? 6,35 m? 6,40 m? Sein Technikcoach tips auf eine mögliche 6,38 m bei perfekter Temperatur, 0,0 m/s Wind und Lattenlage auf 35 mm statt 40 mm. Die Physiologen rechnen: bei 10,20 s 100-m-Speed und 14,7 m/s Anlaufbeschleunigung plus optimalem Stabdurchbiegungswinkel von 166 Grad liege theoretisch Luft nach oben. Die Realität nennt sich Uppsala 2026 – und sie ist ein einziger Beweis, dass Theorie unter Latten klappt.
Der nächste Stopp: Glasgow, Weltindoor-Tour-Finale. Dort will er die 6,31 m bestätigen. Die Konkurrenten? Bereits jetzt wissen sie: Silber ist das neue Gold. Duplantis spielt in einer eigenen Liga – und die Latte wartet schon wieder.
