Derby-kracher, roma-trauma, lazio-flaute: die woche, die italien umhaute
Mailand bebt, Rom zittert, Turin lacht. In sieben Tagen drehte sich die Serie A um 180 Grad – und ein Mann, den vorher niemand auf dem Zettel hatte, wurde zum Spielverderber des Jahres.
Der unbekannte held, der das derby sprengte
Am Sonntagabend, 91. Minute, San Siro kocht. Eigentlich sollte der neue Stürmerstar den Unterschied machen, doch der Matchwinner trägt die Nummer 19 und stand vor zwei Wochen noch in der zweiten Reihe. Sein Volleyschlenzer aus 17 Metern riss das Seitengitter hin und her – und die Meisterschaft wieder auf. Inter liegt jetzt drei Punkte vor Milan, die Scudetto-Sehnsucht der Nerazzurri bekommt ein Gesicht.
Was niemand erwähnt: Der Held war kurz vor der Winterpause noch auf der Abschussliste. Trainer Simone Inzaghi beharrte, die Bosse zahlten lieber die Leihe für einen anderen. Am Ende schlug der vermeintliche Auswählbare zu – und die Leihe blieb aus.

Roma und das gespenst von zwei wochen zuvor
Während in Mailand gejubelt wird, hängt in der Hauptstadt ein 3:2 wie Blei in der Luft. Gegen Juventus führte die Roma noch in der 87. Minute, dann kam der Koller, die Kapitulation, das 2:3. Seitdem hat die Mannschaft zwei Spiele nicht gewonnen, Trainer José Mourinho sieht „eine mentale Blockade“. Die Zahlen sind brutaler als jede Analyse: Aus sieben Punkten wurden zwei, die Champions-League-Ränge rücken bis November aus.
Die Curva Sud ließ nach dem 0:0 in Bologna die Pfiffe bis in die Nacht hallen. Kapitän Lorenzo Pellegrini ging unters Tribünenmic: „Wir haben Angst zu siegen.“ Satz, der wehtun soll.

Lazio und der motta-faktor
Im Osten der Stadt flimmert ein anderes Drama. Lazio holte gegen Monza nur ein Remis, die Statistik dahinter ist ein Déjà-tu: Seit Trainer Maurizio Sarri den Co-Trainer Giovanni Martusciello nach Bologna schickte (Motta-System, 4-2-3-1 mit Kettenpressing), kassierte Lazio in fünf Partien vier Gegentore durch Konter. Die Presse spricht vom „Motta-Komplex“ – Sarri nennt es „eine Phase“.
Die Realität: Lazio rutscht auf Rang acht, die Europa-League-Plätze sind zwei Zähler entfernt. Sportdirektor Igli Tare flog für Krisengespräche nach Rom, die Botschaft lautet: Keine Panik, aber auch keine Zeit mehr.
Der blick nach vorn
Noch sieben Spieltage, und die Tabelle ist so offen wie seit Jahren. Mailand hat den Schwung, Rom die Angst, Turin die Ruhe. Die nächste Woche bringt das direkte Duell Roma-Lazio – ein Stadtderby, das diesmal nicht nur um Prestige, sondern um die Zukunft zweier Trainer geht. Wer verliert, rutscht in die Krisen-Rotation. Wer gewinnt, darf wieder von der Champions League träumen.
In Italien sagt man: Der März entscheidet die Meisterschaft. Diesmal könnte er sogar über die Seelen der Hauptstadt richten. Die Uhr tickt – und der unbekannte Held von Inter weiß es bereits.
