Rohrmoser sticht bullen ins herz – salzburg-derby wird zur vendetta
Er war der erste, der sich traute. Am Freitag darf Tobias Rohrmoser gegen jene, die ihn aussperrten, jubeln – und das Stadion wird rotieren. Austria Salzburg hat das Derby gegen Liefering bereits drei Tage vor Anpfiff restlos ausverkauft, 3 000 Violette warten darauf, ihren Neuzugang zu feiern, der ausgerechnet aus dem „Bullen-Universum“ stammt.
Der wintertransfer, der red bull verrückt macht
Noch nie zuvor wechselte ein Spieler direkt von Liefering nach Maxglan. Roland Kirchler, Sportdirektor der Austria, lachte damals nur kurz über den Vorwand, den die Red-Bull-Führung fand: „Angeblich soll Tobias beim 3:2 unserer U-19 mitgejubelt haben.“ Videoanalysen, interne Ermittlungen, Suspendierung – alles half nichts. Der 19-jährige Innenverteidiger saß plötzlich nur noch auf der Tribüne, die Botschaft war klar: Wer Austria sympathisiert, fliegt.
Kirchler nutzte die Schikane, stattete Rohrmoser mit einem Profivertrag aus und stellte ihn sofort in die Startelf. Seitdem hat die Austria drei von vier Spielen nicht verloren, der Debütant spielte durch. „Er hat die Weite, das Tempo und den Rückwärtslauf eines modernen Abwehrspielers“, schwärmt Kirchler, „plus die Frische eines Burschen, der endlich wieder Fußball spielen darf.“

Liefering kommt mit galm-effekt – und acht punkten vorsprung
Danny Galm, neuer Coach der Bullen, feierte drei Siege aus drei Partien, verwandelte die Youngster in eine Tormaschine. Salzburg droht den Violetten als Tabellenzweiter trotzdem mit neun Punkten Abstand. Kirchler schert sich nicht darum: „Wir brauchen drei Punkte für den Klassenerhalt, nicht für die Tabelle.“ Die Rechnung ist simpel: Gewinnt Austria das Derby, schmilzt der Rückstand auf fünf Zähler, die Moralkurve schießt gen Obersalzberg.
Rohrmoser selbst schweigt seit Wochen zur Causa. Er trainiert, lächelt, köpft. Die einzige Antwort, die er zulässt, ist seine Spielweise: diagonal in den Lauf, körperbetont, aber sauber. „Er ist 1,92 m groß und trotzdem fußballverrückt“, sagt Kirchler, „das sieht man selten.“

20.30 Uhr, funkstille, 3 000 brennende herzen
Wenn Freitagabend das Stadiondach bebt, wird Rohrmoser genau wissen, warum er die Farbe Rot nie wieder tragen will. Die Austria-Fans haben schon ein Choreo vorbereitet: ein Stier, der ein Veilchen verschluckt. Symbolik inklusive. Am Ende zählt nur, ob der Verteidiger die eine entscheidende Grätsche setzt, das 1:0 klärt oder vielleicht sogar per Kopf trifft. Dann wäre die Vendetta perfekt – und Red Bull hätte seine erste echte Lektion in Sachen Loyalität verpasst.
Die Zahl, die bleibt: noch kein einziger Liefering-Spieler lief jemals für die Austria auf. Nach dem Freitag steht fest, dass genau einer den Sprung wagte – und prompt das Stadion zum Kochen bringt.
