Cremonese vs. fiorentina: 90 minuten, die über sehnsucht und angst entscheiden
Ein Punkt trennt Hoffen vom Grauen. Am Sonntag, 15.30 Uhr im Giovanni-Zini-Stadion, kocht Cremona das nächste Endspiel. Die Cremonese liegt auf Platz 18, die Gäste aus Florenz nur einen Tick besser auf 17. Wer verliert, rutscht in die rote Zone; wer gewinnt, darf für 24 Stunden aufatmen.
Ranieri steht vor dem 8. gelb – und vor einem albtraum
Der 25-jährige Verteidiger Luca Ranieri trägt sieben Gelbe im Gepäck. Ein weiteres Vergehen kostet ihn die nächste Sperre – und die Viola ihre letzte defensive Stabilität. In den letzten beiden Partien schoss kein Gegner, doch auch kein Fiorentinist den Ball ins Tor. Null Tore, null Punkt. Das ist keine Formkrise mehr, das ist ein Offensiv-Blackout.
Trainer Vincenzo Italiano prescht seit Wochen mit denselben Begründungen herum: „Wir kommen an den zweiten Ball nicht ran“ oder „Die Chancen sind da, wir müssen nur konverteren“. Konverteren – ein Wort, das in Florenz inzwischen wie Hohn klingt. Dreizehn Ligaspiele wartet die Cremonese auf einen Sieg. Die letzten drei gingen verloren, 1:8 Tore. Doch die Statistik lügt nicht: In allen 13 Pflichtduellen gegen Florenz blieb Cremona sieglos.

Bonazzoli will die serie rupfen
Ein einziger Spieler trägt die Hoffnung der Lombardei: Federico Bonazzoli. Der 25-jährige Stürmer traf in seiner Karriere schon zweimal gegen die Viola – beide Male, als er für Sampdoria auflief. Nun will er den Fluch brechen, der seit 1994 über Cremona hängt. „Wir haben nichts zu verlieren“, sagte er nach dem Training – und meinte damit vor allem die Abstiegszone, die sich wie Blei um die Knöchel legt.
Die Buchmacher rechnen mit einem erneuten Tor-Armageddon. Unter 2,5 Treffer zahlt Sisal 1,55 – ein Kurs, der die Analyse der Wettfreunde widerspiegelt: Cremona wird hinten dichtmachen, Florenz vergisst vorne das Abschlusstraining. Die Partie droht zur Taktik-Schlacht zu verkommen, in der ein einziger ruhender Ball reicht, um Tränen oder Jubel zu erzeugen.
Am Ende zählt nur der Tabelle entfliehen. Für Italiano könnte es die letzte Busfahrt nach Florenz sein, für Cremona-Coach Davide Ballardini der erste große Schritt Richtung Rettung. Wer verliert, muss um seinen Job bangen. Wer gewinnt, darf für 90 Minuten glauben, dass die Saison doch noch gut wird.
