Cortina zittert mit mazzel: skiausfall kurz vor ziel – italiens medaillenjagd läuft trotzdem

Ein Hänger an der letzten Torstange reicht. Chiara Mazzel rutscht aus, verliert den Stab, bricht ab. 40 Meter fehlten zur Ziellinie. Cortina schneit in dicken Flocken, die Tofane-Skipiste wird zur weißen Wischerei – und Italiens Hoffnung auf Gold im Slalom der Sehbehinderten begraben sich mit dem Schnee.

Rekord trotz sturz

Die Azzurri starten mit 14 Medaillen in den vorletzten Wettkampftag – so viele hat eine italienische Paralympics-Delegation seit Lillehammer 1994 nicht gesammelt. Die 15. will niemand verschenken. Martina Vozza und Guide Ylenia Sabidussi wollen nachliefern, was Mazzel und Fabrizio Casal verschlissen haben. Start 9.04 Uhr, zweiter Lauf 13.00 Uhr. Dazwischen: Nordische Staffel 4 × 2,5 km offene Klasse in Tesero – ein Format, in dem Italien 2022 in Peking nur hinter den Übermenschen aus China landete.

Das Eis in Mailand dampft unterdessen schon um 16.05 Uhr. Dort kämpft die Para-Eishockey-Auswahl gegen Deutschland um Platz fünf. Die Jungs um Kapitän Andrea Macrì wollen die peinliche Vorrundenpleite gegen die Slovaken vergessen machen. Letzte Woche verloren sie 0:4, heute zählt nur die Revanche. Wer zittert, fliegt raus aus dem Turnier – und aus dem Fernsehen, denn Rai 2 schaltet nur bei Krimi live.

Medaille 15 ist in reichweite

Medaille 15 ist in reichweite

Die Chancen stehen 50:50. Die Langläufer um Giuseppe Romele haben in dieser Saison drei Weltcupsiege geholt, im Slalom ist Vozza nach dem ersten Durchgang Zweite, nur 0,37 Sekunden hinter der Britschen Menna Fitzpatrick. Die Curling-Mixed-Equipe um Egidio Marchese spielt nachts um 18.35 Uhr das Endspiel gegen Kanada – ein Unentschieden nach neun Ends, danach Steinhageln. Gold ist drin, Silber wäre enttäuschend.

Die Zahlen sprechen für Italien: 14 Medaillen, 5 Gold – mehr als je zuvor bei Winterspielen. Der Nationalcoach für alpinen Skisport, Gianluca Grigis, sagt knapp: „Wir sind nicht zum Zuschauen hier.“ Er will 16. Und er wird sie kriegen. Vozza steht vor dem Slalom-Tor, Romele vor der letzten Staffelrunde, Marchese vor dem letzten Stein. Drei Starts, drei Entscheidungen. Die Föhnwelle rollt über die Dolomiten, und mit ihr der letzte Sturm um Edelmetall. Cortina schneit – aber Italien läuft.