Iranische wm-teilnahme: fifa-krisengespräche in zürich?

Die Fußballwelt hält den Atem an: Nur wenige Wochen vor dem WM-Start in Nordamerika droht ein Eklat um die Teilnahme des Iran. Nach einer diplomatischen Zitterpartie und einer überraschenden Absage des iranischen Verbands an den FIFA-Kongress will der Weltverband nun offenbar einen letzten Versuch unternehmen, die Lage zu entspannen – mit einem persönlichen Gespräch in Zürich.

Kritische forderungen aus teheran

Laut iranischen Medienberichten hat die FIFA den iranischen Fußballverband (FFIRI) zu Gesprächen bis zum 20. Mai in ihren Hauptsitz eingeladen. Verbandspräsident Mehdi Taj hatte sich zuvor öffentlich um ein solches Treffen gewünscht, um eine Reihe drängender Themen zu klären. Taj machte am Dienstagabend deutlich, dass eine „konkrete Garantie“ von FIFA-Präsident Gianni Infantino erforderlich sei, damit das Team überhaupt nach Nordamerika reise. Sollten jedoch „Beleidigungen“ gegen die Mannschaft oder das Land ausgetragen werden, würde das Team die WM vorzeitig verlassen – ein dramatischer Schritt, der die ohnehin angespannte Situation weiter verschärfen würde.

Die Forderungen Taj sind angesichts des anhaltenden Nahost-Konflikts und der damit verbundenen politischen Sensibilität umso deutlicher. Zuvor hatte es massive Zweifel an der Teilnahme des Iran gegeben, verstärkt durch die Absage der iranischen Delegation am FIFA-Kongress. Grund dafür war ein Vorfall am Flughafen Toronto, bei dem ein Mitglied der Delegation sich durch die Behandlung durch Einwanderungsbeamte beleidigt fühlte – insbesondere durch Äußerungen eines Polizisten. Der Verband reagierte mit der sofortigen Rückkehr der Delegation in die Türkei.

Trumps einmischung und die rolle des verbandspräsidenten

Trumps einmischung und die rolle des verbandspräsidenten

Die Situation wird zusätzlich verkompliziert durch die Einmischung des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, der sich in der Sache widersprüchlich äußerte. Zunächst zeigte er sich unzufrieden mit der möglichen Teilnahme des Iran, erklärte dann aber, er sei „okay“, wenn Infantino die Entscheidung treffe. „Gianni ist fantastisch, ein Freund von mir. Ich habe ihm gesagt, er kann machen, was er will. Lasst sie spielen“, so Trump.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Vergangenheit von Verbandspräsident Taj, der Verbindungen zur iranischen Revolutionsgarde hat – einer Organisation, die von Kanada als terroristisch eingestuft wird. Dieser Umstand könnte die ohnehin schwierige Reise des iranischen Teams weiter erschweren.

Ein wm-teilnehmer mit ungewisser zukunft

Ein wm-teilnehmer mit ungewisser zukunft

Das iranische Team, das sein Trainingslager in Tucson/Arizona aufgeschlagen hat, trifft in Gruppe G auf Neuseeland, Belgien und Ägypten. Teheran hatte zwischenzeitlich sogar einen WM-Boykott ins Spiel gebracht und gefordert, seine Spiele in Mexiko auszutragen. Die FIFA steht nun vor der Herausforderung, eine diplomatische Lösung zu finden, die sowohl den sportlichen Interessen als auch den politischen Realitäten gerecht wird. Ob Infantino die geforderte Garantie geben kann und will, bleibt abzuwarten. Die Welt blickt gespannt nach Zürich, wo die Zukunft der iranischen WM-Teilnahme entschieden werden könnte.