3X3-eishockey landet in innsbruck: endras jagt olympia-traum mit turbo-format

Ein Tor zählt doppelt, acht Spieler jagen den Penaltyschützen, die Uhr läuft durch – und Dennis Endras steht nicht mehr zwischen den Pfosten, sondern vor der Bande. In Innsbruck startet heute die „Breaking the Ice Tour“, die 3x3-Variante des Weltverbandes IIHF, mit der sich Eishockey bis 2034 ein zweites olympisches Standbein erschießen will.

Warum innsbruck der perfekte testlauf ist

Die Olympiaworld liegt im Schatzen der Bergisel-Schanze, mitten in der Fußgängerzone. „Wir bringen das Event zu den Menschen, nicht umgekehrt“, sagt Florian Mayer, IIHF-Sportmanager und Architekt des Regelwerks. Auf 40 × 20 Metern, ohne Bandenwerbung, dafür mit DJ und Moderator, wird Drei-gegen-Drei in zwei zwölfminütigen Hälften gespielt – fast ohne Unterbrechung, denn Strafzeiten gibt es nicht. Stattdessen: Penaltyschüsse, bei denen alle Feldspieler hinterherrobben. Die blauen Linien sind gestrichelt und dienen als Rückzugszonen, ein Treffer aus der eigenen Hälfte beschert zwei Zähler. „Wir wollen kein kleiner Bruder des klassischen Eishockey sein, sondern ein eigenständiges Produkt“, betont Mayer.

Endras, 38, hat nach 85 Länderspielen und einer WM-Bronze 193 cm Körpergröße gegen taktische Kreativität getauscht. Sein Kader: 13 Akteure, darunter die DEL-Läufer Moritz Wirth (Augsburg) und Noah Dunham (Frankfurt). „Die Jungs brauchen 30 Sekunden Sprint, dann gleich wieder Wechsel – das ist HIIT auf Kufen“, lacht der Keeper von einst, heute Chefstrateg. Trainiert wurde auf Asphalt-Plastik-Mix, damit auch Sommerturniere möglich sind.

So soll der neue eishockey-kick globale fans erobern

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Nach Innsbruck geht’s laut Mayer nach Zürich, Helsinki, Turin, Budapest – und 2025 ins deutsche WM-Doppel Düsseldorf/Mannheim. Synthetische Bahnen sollen den Sommer-Circuit ermöglichen, damit auch Lateinamerika und Asien ins Boot springen. Das Vorbild liefert der 3x3-Basketball, seit Tokio olympisch und längst ein Milliarden-Marken-Festival für den Weltverband FIBA.

Die Zahlen sind bereits jetzt verlockend: Ein Match dauert 24 Minuten, braucht keine Kabinen, keine 60-Mann-Staffel, dafür LED-Ringe um das Spielfeld und TikTok-Clips im Minutentakt. „Kurz, bunt, brutal – genau das, was IOC-Präsident Bach unter Youth Appeal versteht“, schmunzelt Mayer. Die Entscheidung über Olympia 2034 fällt 2027 in Mumbai. Bis dahin will die IIHF mindestens drei Weltmeisterschaften und einen eigenen Ranking-Modus etabliert haben.

Für Endras ist der Job mehr als ein Nebenprojekt. „Ich habe 2018 in Pyeongchang noch Maskottchen gespielt, jetzt baue ich mit, dass ein ganzes neues Format olympisch wird.“ Seine Mission: Deutschland als erste Nation, die in beiden Eishockey-Disziplinen Medaien holt. Der Startschuss fällt heute um 13.45 Uhr, live auf laola1.tv – und wenn das Publikum mitklatscht, hat Innsbruck vielleicht gerade die Zukunft des Sports erfunden.