Berlin ohne volksentscheid: chatrath verteidigt olympia-kurs und attackiert plebiszit-lobby

Der Sportökonom Stefan Chatrath zieht die Reißleuchte an: Kein Berliner Referendum über Olympia – das spart Millionen und verhindert Populismus. Im Gespräch mit rbb|24 schmettert er die Forderung nach einem Plebiszit als teures „Zuschauer-Feuerwerk“ und liefert die Kampfansage an die Nolympia-Fraktion.

„Wir können uns kein weiteres millionen-fresser leisten“

Die Rechnung ist schnell gemacht: Ein Berliner Olympia-Referendum würde nach Zahlen aus Hamburg und München locker vier bis sieben Millionen Euro verschlingen – Geld, das für Sportstätten oder Schulturnhallen fehlt. Chatrath, Prodekan der University of Europe for Applied Sciences, hält das für „ökonomischen Irrsinn“. Sein Argument: „Am Ende gewinnt nur eine Stadt. Die anderen verbrennen Steuergeld für Luftnummern.“ Stattdessen setzt der Senat auf Bürgerdialoge, Online-Beteiligung und runde Tische – ein Modell, das laut Chatrath „transparenter und günstiger“ ist als jede Volksabstimmung.

Die Skepsis der Berliner ist laut seiner aktuellen Umfrage tief greifend: 63 Prozent befürworten kein Referendum, aber 48 Prozent zweifeln an der Machbarkeit der Spiele. Hauptursachen: der Januar-Blackout, marode Verwaltung und horrende Mieten. „Das Vertrauensdefizit ist real“, sagt Chatrath. „Aber man kann es nicht mit einem teuren Referendum reparieren, sondern nur mit konkreten Projekten.“

2036, 2040 Oder 2044 – berlin spielt poker um den zuschlag

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Das IOC schaut genau hin: Machbarkeit, Nachnutzung, gesellschaftliche Akzeptanz. Chatrath attestiert Berlin eine solide Ausgangslage. Max-Schmeling-Halle, Olympiastadion, das neue BER-Terminal – viele Infrastrukturen stehen. Doch der Zeitplan wird knapp. „Wenn wir 2036 wollen, muss die Bewerbung 2027 fertig sein – das ist keine Ewigkeit“, warnt er. Die Gegner mobilisieren bereits: Nolympia sammelt Unterschriften, die Linke fordert einen sofortigen Stopp. Chatrath kontert: „Wer jetzt aufhört, hat verloren – und Berlin verliert Milliarden an Investitionen.“

Sein Fazit klingt wie ein Spurwechsel: „Olympia ist kein Luxus, sondern eine Infrastruktur-Offensive. Wer jetzt blockiert, bremst den Ausbau von Sportstätten, bezahlbaren Wohnungen und neuen Jobs.“ Der Ton hat sich verschoben – von der akademischen Analyse zur Kampfansage. Die Entscheidung fällt 2027, doch der Schachzug, auf das Referendum zu verzichten, könnte der entscheidende Vorteil sein. Chatrath lacht trocken: „Manchmal muss man Geld sparen, um Milliarden zu verdienen.“