Infantino verteidigt wm-ticketpreise: „marktpreise sind realität“

Beverly Hills – Der FIFA-Präsident Gianni Infantino hat sich in die Debatte um die astronomischen Ticketpreise für die anstehende Weltmeisterschaft in Nordamerika (USA, Mexiko, Kanada) eingeschaltet und diese vehement verteidigt. Seine Begründung: Die Preise spiegeln die Realität des Unterhaltungsmarktes wider, der in den Vereinigten Staaten eine völlig neue Dimension erreicht hat.

Der vergleich mit katar: ein sprung in die höhe

Während das teuerste Ticket für das Finale der WM 2022 in Katar zum Nennwert etwa 1.600 US-Dollar kostete, werden für das Endspiel in Nordamerika immmerhin 11.000 US-Dollar fällig. Infantino argumentiert, dass dies eine notwendige Anpassung an die Marktbedingungen sei. „Wir müssen den Markt betrachten – wir befinden uns in dem Markt, in dem die Unterhaltungsbranche weltweit am weitesten entwickelt ist. Deshalb müssen wir Marktpreise anwenden“, erklärte er bei der Milken Institute Global Conference.

Ein interessanter Punkt ist, dass 25 Prozent der Tickets für die Gruppenphase zu einem Preis von unter 300 US-Dollar angeboten wurden. Doch Infantino lenkte den Fokus auf die US-amerikanischen Gegebenheiten: „In den USA kann man sich kein College-Spiel – ganz zu schweigen von einem Profispiel auf einem bestimmten Niveau – für weniger als 300 Dollar ansehen. Und das ist die Weltmeisterschaft.“ Die FIFA berücksichtigt demnach auch den Einfluss der Weiterverkaufsplattformen, die in den USA eine große Rolle spielen.

Weiterverkauf: ein zweischneidiges schwert

Weiterverkauf: ein zweischneidiges schwert

Der italienisch-schweizerische Funktionär betonte, dass die FIFA bei der Preisgestaltung auch den Weiterverkauf im Blick hat. „Wenn man also Tickets zu einem zu niedrigen Preis verkauft, werden diese Tickets zu einem viel höheren Preis weiterverkauft. Und tatsächlich landen die Tickets, obwohl manche Leute sagen, dass unsere Ticketpreise hoch sind, auf dem Weiterverkaufsmarkt zu einem noch höheren Preis, der mehr als doppelt so hoch ist wie unser Preis.“

Als Beispiel nannte Infantino die Angebote auf der FIFA-Weiterverkaufsplattform für das Finale am 19. Juli in New York: Vier Tickets wurden für über zwei Millionen US-Dollar pro Stück angeboten. „Wenn manche Leute Tickets für das Finale für zwei Millionen Dollar auf dem Weiterverkaufsmarkt anbieten, bedeutet das erstens nicht, dass die Tickets zwei Millionen Dollar kosten“, konterte Infantino. „Und zweitens bedeutet das nicht, dass jemand diese Tickets kaufen wird.“ Er fügte humorvoll hinzu: „Sollte jemand Tickets zu diesem Preis erwerben, werde ich ihm persönlich einen Hotdog und eine Cola bringen, um sicherzustellen, dass er ein großartiges Erlebnis hat.“

Die FIFA steht seit Wochen in der Kritik wegen der hohen Ticketpreise. Die Fanorganisation Football Supporters Europe (FSE) hat sogar eine Klage gegen den Weltverband bei der EU-Kommission eingereicht. Der Schritt der FSE zeigt, dass die Diskussion um die Zugänglichkeit des Fußballs für Fans weltweit weitergeht. Die FIFA scheint sich jedoch auf einen lukrativeren, wenn auch exklusiveren, Ansatz zu konzentrieren – ein Umstand, der die Kluft zwischen den Fans und dem Weltverband weiter vertiefen könnte.