Basler schießt gegen frauenfußball – und liefert sich selbst ab
57 Jahre alt, 30 Länderspiele, einst Bundesliga-Angstgegner – und jetzt? Eine Nebelhornbombe gegen den eigenen Sport. Mario Basler lässt im SWR-Podcast Mario Basler – letzter Typ erneut die Muskeln seiner Klischeekiste spielen: Frauenfußball sei „kein Fußball“, Grätschen seien „Männersache“, das Ganze „hat mit Fußball nichts zu tun“. Die HSV-Frauen lächeln, laden ihn ins Volksparkstadion ein – und er sagt ab. Terminkonflikt: gleicher Abend, andere Bühne, Stadttheater Euskirchen, Programm „Basler ballert“. Die Pointe liefert er selbst.
Der ex-profi tritt auf – und der sport redet weiter
Was Basler offenbar nicht mitbekommen hat: Der Frauenfußball ist längst keineswegs mehr die Randnotiz, die er in seiner Raucherstimme verspottet. 57.000 Zuschauer schauen beim Pokalhalbfinale HSV gegen Werder, Giulia Gwinn kassiert bei Bayern München geschätzte 250.000 Euro Jahresgehalt und 719.000 Instagram-Fans schauen jeden Trainingstrick. Die U-17-Juniorinnen gewinnen Weltmeisterschaften, die Bundesliga verkauft TV-Pakete in 170 Länder, und Sponsoren buchen Inserate, weil die Zielgruppe jung, weiblich und kaufkräftig ist. Basler hingegen bucht Abende, in denen er sich selbst zitiert.
Sein Lieblingsargument – die Grätsche – ist längst technologisches Fossil. Moderne Verteidiger positionieren sich so, dass sie nicht mehr grätschen müssen. Die Frauen, die er verspottet, trainieren seit Jahren in Leistungszentren, studieren Videobilder, messen Sprintwerte, tragen GPS-Gurte. Wer sie live sieht, merkt: Der First Touch sitzt, die Ballstafette funktioniert, das Tempo ist hoch – nur die Klischees sind gebrechlich.

Statt diskussion gibt‘s einladung – mit biergarantie
Die HSV-Damen reagierten auf Instagram mit einer Spur Ironie: „Statt lange zu diskutieren, laden wir dich einfach ein. Große Bühne, großer Sport – und wir wetten, nach 90 Minuten siehst du den Frauenfußball mit anderen Augen. Keine Angst: Bier gibt‘s auch.“ Basler lehnte ab. Blieb die mediale Empörungswelle, die ihn wieder ins Rampenlicht hebt – genau dort, wo er sich offenbar wohlfühlt.
Am Ende bleibt ein Fazit, das nicht einmal besonders laut klingt: Einer, der einst mit traumhaften Freistößen Geschichte schrieb, verliert sich in billigen Sprüchen. Der Frauenfußball aber spielt weiter – ohne ihn, trotz ihm, gegen ihn. Und das ist die einzige Antwort, die zählt.
Statistik des Tages: Die 57.000 Tickets fürs Pokalhalbfinale waren in 72 Minuten ausverkauft – schneller als jedes Basler-Soloprogramm.
